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Nettetal: Lobberich profitiert – Breyell verliert

Nettetal : Lobberich profitiert – Breyell verliert

Der Einzelhandel in Nettetal konzentriert sich zunehmend auf die größeren Stadtteile. Die Bewohner kleiner Orte müssen hingegen um die Grundversorgung bangen.

Steigende Umsätze und wachsende Kaufkraft, eine um nahezu 10 000 Quadratmeter gestiegene Gesamt-Verkaufsfläche im Stadtgebiet — man möchte meinen, dass Nettetal seine alte Stärke als Nahversorgungszentrum wiedererlangt hat. Doch die glänzende Vorderseite der Medaille hat eine stumpfe Rückseite. Leerstände, Geschäftsaufgaben und eine sich abzeichnende Schieflage innerhalb der Stadtteile bereiten dem Einzelhandel Sorgen. Rainer Schmidt-Illguth von der Kölner BBE Handelsberatung empfiehlt der Stadt, ihr Entwicklungskonzept nach Stärken und Schwächen auszurichten.

Während in den Stadtteilen die Bürgerforen laufen, bewegt sich im Hintergrund ein Räderwerk an Gutachten, Expertisen und Fachdiskussionen. Auch sie haben das Ziel, Beiträge zum geplanten Stadtentwicklungskonzept zu liefern. Seit jeher gehört dem Einzelhandel in der Stadt dabei besondere Aufmerksamkeit. BBE kann sich auf langjährige Begleitung der Stadt und damit auf eine respektable Daten- und Kenntnisfülle berufen.

Schmidt-Illguth bestätigte im Wesentlichen, was die Stadt mit der innerstädtischen Planung Lobberichs beabsichtigt hat. Die Effekte durch den Toom-Baumarkt und die Ludbachpassage sind eingetreten: Die Gleichung mehr Fläche, mehr und größeres Sortiment, mehr Kaufbereitschaft geht auf. Schwachpunkte in Lobberich bleiben die Hertie-Brache, das ehemalige Kino und Leerstände im Kreuzungsbereich Hoch-/Marktstraße. Der Gutachter ist aber zuversichtlich, dass die nachgewiesene Investitionsbereitschaft innerhalb eines Jahres deutliche Verbesserungen bringt. Im Ausschuss stellte die Technische Beigeordnete Susanne Fritzsche später wie aufs Stichwort Pläne zur Bebauung der Lücke in der Marktstraße für Ladenlokal, Gastronomie und Wohnen vor.

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In Kaldenkirchen gibt es nach Beobachtungen des Gutachters eine kleine, aber sehr stabile Einzelhandelsstruktur in einem gut frequentierten Umfeld. Auch wenn Schmidt-Illguth erwartet, dass sich dieser Zustand halten wird, dürfte die Stadt sich mit der wahren Stabilität hier noch befassen müssen. Zum Schutz der Kaldenkirchener Innenstadt rät BBE dringend dazu, keine relevanten Neugründungen an der Poststraße zuzulassen und den strikten Kurs fortzusetzen.

Große Sorgen bereitet Breyell dem Gutachter. Hier hat es seit 2005 einen erheblichen Rückgang an Geschäften und Umsätzen gegeben. Anker sind der Penny-Markt, der seinen Vertrag gerade erst längerfristig verlängert hat, sowie Kaiser's mit ihren Lebensmittel-Sortimenten. Breyell droht aber seine Aufgabe als Nahversorgungszentrum für Nettetals Süden (mit Schaag) einzubüßen. Schmidt-Illguth schreibt Breyell aber weiterhin neben Kaldenkirchen und Lobberich eine wichtige innerstädtische Versorgungsfunktion zu.

In Hinsbeck und Schaag versorgen Edeka und Kaiser's mit ihren Märkten die Bürger. Schmidt-Illguth spricht hier von integrierten lagen für den "Vergesslichkeitsbedarf". Gerade aber in Hinsbeck hatte das jüngste Bürgerforum vor einem Auszehren der Geschäfte gewarnt. Wer Läden im Ort halten wolle, dürfe eben nicht nur noch das dort einkaufen, was er in den Supermärkten und bei Discountern vergessen habe.

Leuth, Hinsbeck, Schaag und Breyell leiden stark darunter, dass es hier erhebliche Kaufkraftabflüsse gibt. Die Verlustquote liegt bei mehr als 60 Punkten. Der Wert 100 entspricht einem ausgeglichenen Wert. Lobberich (168) und Kaldenkirchen (122) schöpfen stark ab, wobei Kaldenkirchen mit der Plusquote aber auch von niederländischem Publikum profitiert — sie wird nicht echt aus der Stadt gespeist.

Die Fraktionen werden sich jetzt intensiv mit der detailreichen Studie beschäftigen. Ergebnisse werden in das Stadtentwicklungskonzept eingewoben. FRAGE DES TAGES

(RP)