Nettetal: Lobberich kämpft gegen Leerstand

Nettetal: Lobberich kämpft gegen Leerstand

Bei den Händlern in Nettetals größtem Stadtteil findet ein Generationenwechsel statt. Für einige leerstehende Ladenlokale haben sich bereits Nachfolger gefunden. Doch andere müssten erst umgebaut werden

Sportartikel, Dessous, Damenoberbekleidung - bei Umfragen, welche Geschäfte in Lobberich fehlen, seien die Antworten seit Jahren fast immer dieselben, sagt Sabine Monz vom Stadtmarketing. Und das werde vermutlich auch erst mal so bleiben. In diesen Branchen besteht für die Kunden weiterhin ein Mangel.

Dieser Laden an der Breyeller Straße steht seit Jahren leer. Foto: Emily Senf

Dafür haben sich andere Geschäfte an der Lobbericher Markt- und Hochstraße angesiedelt. Standen vor gut einem Jahr noch 13 Ladenlokale in der A-Lage leer, sind es heute nur noch sieben. Ein Erfolg, meinen die Vertreter von Werbering, Stadt sowie Verkehrs- und Verschönerungsverein (VVV) bei einem Besuch.

An der Hochstraße wird renoviert. Foto: E. Senf

Im April 2017 betrug die Einzelhandels-Leerstandquote in Lobberich 16,4 Prozent. Aktuelle Zahlen gibt es dazu bei der Stadt derzeit nicht. "Wir sind gerade dabei, diese zu aktualisieren", sagt Stadtsprecher Jan van der Velden. Dennoch zeigt auch das jüngste Einzelhandelsstandort- und Zentrenkonzept für die Stadt Nettetal aus dem Jahr 2014, dass sich Lobberich entwickelt hat - und es auch dringend notwendig war. Damals lag die laut Gutachten "vergleichsweise hohe" Leerstandsquote bei rund 19 Prozent.

Besucher der Ludbach-Passage sollen das Zentrum finden. Foto: Emily Senf

Der Werbering bemüht sich darum, dass Lobberich attraktiv ist - für Einzelhändler und für Besucher. "Wir wollen ein Entrée schaffen", sagt Vorsitzender Thomas Leuf und zählt auf, welche Veranstaltungen es unter anderem das Jahr hindurch gibt: "Adventsmarkt, Möhrenfest, Kirmes, Markt zweimal in der Woche." Mit Schildern versucht die Händler- und Dienstleister-Vereinigung, Besucher von der 2011 eröffneten Ludbach-Passage in das Zentrum zu locken: "Kürzester Weg zur Innenstadt". Lobberich habe den Vorteil, dass es viele Parkplätze gebe und dass Einrichtungen wie die Stadtverwaltung, das Krankenhaus und das Gymnasium zentrumsnah lägen, sagt Leuf. Vor sieben Jahren hat er das Schreib- und Spielwarengeschäft seiner Eltern an der Marktstraße übernommen. Thomas Leuf ist überzeugt: "Man muss eine Nische finden, sich breit aufstellen und guten Service bieten - dann hat man auch heute die Chance, als Laden zu existieren."

Der VVV schenkte den Brunnen, nun eine Holzeisenbahn. Foto: Emily Senf
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Die Situation vor einem Jahr sehen die Vertreter kritisch. "Es gab eine kurze Phase von etwa einem Dreivierteljahr, in dem viel leer stand", sagt Leuf. Das sei dem Umstand geschuldet gewesen, dass damals einige Geschäftsleute in den Ruhestand gegangen seien. Mancher Chef oder manche Chefin hatte selbst hinter dem Tresen gestanden, die Immobilie war Eigentum und Miete damit nicht zu zahlen - für einen Nachfolger lohnte sich das Geschäft aber nicht mehr.

Ein Beispiel sei Nicus Porzellan und Bestecke an der Marktstraße. Das Ladenlokal stand ein Jahr leer, seit März befindet sich dort wieder ein Fachgeschäft für Bürostühle. In die Räume der Barmer Krankenkasse ist das "Dampfer House", ein Geschäft für E-Zigaretten gezogen; es hat im März eröffnet. Es gibt außerdem einen neuen Friseur und ein Bekleidungsgeschäft. Gegenüber von Leuf "wird im Juni der Burgerladen ,Dorfschmiede' eröffnen", berichtet Ralf Stobbe, Geschäftsführer beim VVV.

Ein wichtiger Aspekt für die Weiterentwicklung des Einzelhandels auch in Lobberich sei die Mitarbeit der Inhaber, sagt der städtische Wirtschaftsförderer Hans-Willi Pergens. "Lobberich hat einen gewachsenen Stadtkern, die Fläche für den Einzelhandel ist begrenzt", erklärt er. "Die Immobilien sind nicht immer passend." So gebe es etwa an der Hochstraße noch drei Geschäfte, bei denen man nur durch den Laden zur Wohnung kommt. "Das war früher eben so", sagt Pergens.

Jetzt müsse Lobberich den Generationenwechsel schaffen und die Inhaber von Ladenlokalen müssten diese notfalls auch umbauen; wie derzeit in einem ehemaligen Geschäft für Kindermode gegenüber des Ingenhovenparks. Was dort eröffnen werde, wisse er aber noch nicht, sagt Leuf.

(RP)
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