Lobberich: Das Theater unterm Dach bereitet sich auf Krimi-Komödie "Die Mausefalle" vor

Serie Mein Verein : Den Applaus des Publikums erarbeiten

Das Theater unterm Dach bereichert Nettetals Kultur. Die Mitglieder proben gerade für eine Kimi-Komödie.

Schauspieler sind ein Volk für sich. „Ja, ehrlich gesagt, irgendwie sind wir alle ein bisschen verrückt“, sagt Axel Dammer und schmunzelt. Was der Künstlerische Leiter des Nettetaler Vereins Theater unterm Dach (TuD) damit meint, ist eine Leidenschaft, in Rollen und Kostüme zu schlüpfen, vor Publikum zu spielen und so Nettetals Kulturangebot zu bereichern. Damit das alles seriös und ernsthaft funktioniert mit der Schauspielerei, steckt dahinter ein eingetragener Verein mit über 280 Mitgliedern.

„Wenn wir proben, kennen wir keine Gnade, sind hochkonzentriert, dann muss alles andere an Freizeit zurückstehen“, sagt Dammer. Derzeit probt das Ensemble im kleinen Theater hinter dem Schulgebäude des Werner-Jäger-Gymnasiums in Lobberich für das neue Stück „Die Mausefalle“ nach Agatha Christie. „Jedes Vereinsmitglied unterstützt mit seinem Jahresbeitrag den Theaterbetrieb, man bekommt dafür eine Freikarte und ein Vorkaufsrecht“, sagt Jürgen Boyxen, Vorsitzender des Vereins Theater unterm Dach.

Die Geschichte des Vereins reicht bis vor 1990 zurück, ehemalige Mitglieder der Theater-Arbeitsgemeinschaft am Werner-Jaeger-Gymnasium wollten nach ihrem Abitur weiter hobbymäßig der Schauspielerei frönen. Unterstützer waren schnell gefunden, Lobbericher wie Harald Post oder jetzt Boyxen leiteten und leiten als Vorsitzende die Geschicke des Vereins. „Die Schauspielerei ist ja nicht alles. Kostüme, Requisiten, Bühnenbild, Technik, auch Planung und Plakate, alles muss organisiert und bezahlt werden“, führt Ensemble-Mitglied Fabian Matussek aus.

So kamen im Laufe der Jahre Klassiker und moderne Stücke, Komödien und Dramen zur Aufführung, meist zwei Inszenierungen pro Jahr. Zu den Höhepunkten gehörten laut Matussek „Goethes ‚Faust‘ und sicher im vergangenen Jahr ‚Die Weihnachtsgeschichte‘ nach Charles Dickens in der Alten Kirche“. Viele Erfolge also, richtige Flops hingegen habe es, meint Dammer, eigentlich nicht gegeben: „Wenn man so verrückt ist, wie wir es sind, dann gelingt es eben, verschiedene Altersstufen und Charaktere dazu zu bringen, gemeinsam an einem Strang zu ziehen.“

Das Vereinsleben findet laut Dammer, abgesehen von Versammlungen, bei den Proben und Aufführungen stattfindet. Für Ausflüge oder Vereinsfeiern bleibe da keine Zeit. Doch auch so werde Gemeinschaftssinn groß geschrieben: „Als wir in Nettetals Partnerstadt Fenland spielen sollten, vor Ort aber nichts vorbereitet war, da haben wir improvisiert, quasi aus dem Nichts ein Bühnenbild hergestellt“, erinnert sich Dammer. Solche Erlebnisse wie in Fenland „schweißen alle irgendwie zusammen“.

Von den aktiven Mitgliedern gehören mehr als 20 dem Ensemble an. Die Bezeichnung Amateurtheater oder Hobbyschauspieler empfindet Dammer nicht als abwertend: „Wir sind ja sozusagen Amateure, haben ja alle unsere Berufe, die jüngsten gehen noch zur Schule, und weil das für uns Hobby ist, laufen wir nicht Gefahr, dass Aufführungen zur Routine werden.“ Wybke Reuther ergänzt: „Aber, auch wenn wir bei den Proben Spaß haben, wir geben immer alles, gehen voll auf in den Rollen.“ Das sieht auch Matussek so: „Dafür knien wir uns ja rein, ich will es nicht Eitelkeit nennen, aber schließlich wollen wir uns den Applaus des Publikums erarbeiten“, sagt er.

Dabei sind die Schauspieler angewiesen auf die anderen aktiven Mitglieder, die sich zum Beispiel um die Technik oder die Requisiten kümmern. „In allen Bereichen freuen wir uns über neue Mitglieder“, sagt Boyxen. Wer sich neben seinem Mitgliedsbeitrag auch aktiv einbringen möchte, deutet Dammer nochmals scherzend an, müsse nur „ein bisschen verrückt“ sein.