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Nettetal: Literaturtage im Spiegelzelt

Nettetal : Literaturtage im Spiegelzelt

In knapp einem Jahr werden die Nettetaler Literaturtage zum 10. Mal ausgerichtet. Der gleichnamige Verein hat in Belgien ein nostalgisches Zelt gemietet, das er auf dem Lambertimarkt aufbaut. Jetzt wird am Programm gefeilt.

In Belgien hatten die kleinen Dörfer früher nicht immer einen Saal. Wollten die Menschen ein Fest mit Tanz oder auch einem Bankett feiern, ließen sie ein Zelt aufbauen.

Es waren aber keineswegs die hierzulande üblichen Schützenzelte, sondern sogenannte Spiegelzelte. In diesem außergewöhnlichen Rahmen wird der Verein Nettetaler Literaturtage in fast genau einem Jahr illustre Gäste zu Lesungen, Vorträgen und anderen Veranstaltungsformen dem Publikum präsentieren.

"Wir wollten wieder einmal etwas ganz anderes machen", berichtet der kürzlich in seinem Amt bestätigte Ulrich Schmitter. Seltene und ungewöhnliche Lese-Orte hat der Verein Literaturtage bereits früher aufgesucht, man wollte nicht in eine Wiederholungsschleife gehen — vor allem nicht bei der zehnten Auflage, die besonders gestaltet werden soll.

"Man kann mit Festivals für Kultur und Literatur tatsächlich Gewinn erwirtschaften", lächelt Schmitter vielsagend. Daraus hat der Verein eine Rücklage geschaffen, in die er für die 10. Literaturtage greifen wird. "Wir haben wirklich lange überlegt, wie wir angemessen diese Zahl begehen könnten, und kamen schließlich darauf, das Spiegelzelt zu mieten", erklärt er.

Der "Chrystal Palace" war eine Besonderheit in Belgien. Bis in die 1960er-Jahre hinein wurden die Tanzzelte für Festivitäten vor allem in Dörfern vermietet. Sie können festlich für größere Bankette hergerichtet werden, haben im Zentrum aber auch einen wunderbaren Tanzboden. Die Zeltverleiher gingen damals reihenweise pleite, weil der Bedarf nicht mehr vorhanden war.

Ein findiger Kaufmann erwarb nahezu alle verfügbaren Zelte und vermietet sie jetzt mit großem Erfolg (und für großes Geld). "Sie sind multifunktional nutzbar, wir werden allerdings Stuhlreihen aufbauen, damit wir möglichst viele Besucher zu unseren Veranstaltungen begrüßen können", sagt Schmitter. Der Vertrag sei unterschrieben, die konkrete Planung der 10. Literaturtage vom 27. September bis zum 6. Oktober 2013 könne beginnen. "Wir wollen das Programm möglichst passend zum Zelt aufbauen", erläutert Schmitter.

So werden sich die klassische Lesung, Musik und Tanz ablösen. Ein paar konkrete Vorstellungen zu einzelnen Abenden gibt es schon, aber es ist schwierig, beispielsweise renommierte Schauspieler für Lesungen zu gewinnen. Drehpläne können noch kurz vor einem Engagement dieser Art den Terminkalender des Stars umwerfen. Der Verein will keine unüberschaubaren Risiken eingehen. Bei der Buchmesse, die Schmitter am vergangenen Samstag besuchte, sollten Impulse gewonnen sowie erste Kontakte mit Verlagen und Agenturen geknüpft werden.

Aufbauen wollen die Literaturtage ihr malerisches Spiegelzelt auf dem Lambertimarkt. Es wird ein echter Blickfang werden. Und da passt es auch gut hin, außerdem befindet es sich in unmittelbarer Nähe zur Stadtbibliothek. Das macht die Logistik einfacher. FRAGE DES TAGES

(RP/rl)