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Nettetal: Liebevolle Erinnerung an Paul Kuhn

Nettetal : Liebevolle Erinnerung an Paul Kuhn

Willy Ketzer erinnerte in der Alten Kirche Lobberich an den Mann am Klavier.

Besonders habe er sich gefreut, ließ Paul Kuhns langjähriger Schlagzeuger Willy Ketzer sein Publikum wissen, dass der Kulturkreis der Wirtschaft ihn in eine Kirche eingeladen hätte. Dass er zum Beispiel noch nie im Kölner Dom hätte spielen dürfen, scherzte er, hinge ganz bestimmt mit seinem Namen zusammen.

Zusammen mit alten Weggefährten, der "Paul Kuhn Family", hält Ketzer die Erinnerung an den "Mann am Klavier" lebendig, der es zu Lebzeiten so sehr bedauerte, dass es "kein Bier auf Hawaii" gab. Mit lustigen Schlagern wurde Paul Kuhn bei einem breiten Publikum bekannt und beliebt. Aber seine ureigene musikalische Welt, da waren sich seine ehemaligen Musikerkollegen in Lobberichs Alter Kirche einig, war der Jazz.

Nicht nur Ketzer erinnerte sich gern an die lange Zeit, in der er mit Paul Kuhn zusammenarbeiten durfte. Mit ihm war Gaby Goldberg gekommen, die als Sängerin ebenfalls über 30 Jahre zu Kuhns musikalischem Umfeld gehörte. Wenn Paul Kuhn dirigierte, mussten andere ans Klavier. Zu diesen gehörte Martin Sasse, der wie Jens Foltynowicz mit seinem Bass nicht so regelmäßig wie die beiden anderen zu Paul Kuhns Crew zählte. Aber an ihre gemeinsamen Auftritte mit der Jazz- und Schlager-Legende "Paulchen" Kuhn denken beide auch noch sehr gern zurück.

Vor allem, aber nicht nur mit Musik erinnerte das Quartett an den 1928 in Wiesbaden geborenen und 2013 in Bad Wildungen gestorbenen Pianisten und Sänger. Fotos aus Paul Kuhns Leben, die ihn auch mit vielen prominenten Zeitgenossen zusammen zeigten, waren auf einer Leinwand zu sehen. Nicht wenige davon hatte Willy Ketzer im Laufe der Jahre angefertigt. Natürlich hatten Ketzer und Gaby Goldberg eine Reihe von Anekdoten beizusteuern. Als beispielsweise der stets auf Contenance bedachte Kuhn von einem Hotelmanager auf die mäßigen Leistungen des Barpianisten angesprochen wurde, meinte er diplomatisch: "Ja ja, so kann man die Stücke auch spielen." Musikalisch überzeugte das Quartett unter Ketzers Leitung sehr. Ketzer ist ein Schlagzeuger, der seine Instrumente nicht nur schlagen, sondern auch streicheln kann. Er versteht sich auf klangliche Differenzierung und weiß genau, wo er in den Vordergrund zu treten und wo er sich dezent zurückzuhalten hat. Gaby Goldberg erwies sich als souveräne Sängerin. Souverän in den Improvisationen und im Zusammenspiel agierten auch Martin Sasse am Piano und Jens Foltynowicz am Bass.

Das Programm war vielseitig. Jazztitel aus der Swing-Epoche wechselten mit solchen des Bebop ab, Bossa Nova stand genau so auf der Tagesordnung wie Kompositionen von Duke Ellington und George Gershwin.

Nach langem Beifall und Zugabe bekommen die begeisterten Zuhörer schon bald Gelegenheit, sich in Lobberich an eine andere Entertainer-Legende zu erinnern: Am Freitag, 16. Oktober, 20 Uhr, heißt es mit Roger Pabst und Big-Band in der Werner-Jaeger-Halle in Lobberich: "100 Jahre Frank Sinatra".

Karten (15 Euro) sind beim Kulturkreis der Wirtschaft erhältlich unter Telefon 02163 888 47 04.

(-tr)