Lesebühne der Stadtbücherei Nettetal mit Erinnerungen an die 1960er.

Breyell : Erinnerungen an Breyells „wilde Jahre“

Auf der Lesebühne in der Stadtbücherei führte die „Blaue Stunde“ zurück in die 1960er Jahre. Nach Anekdötchen, Sketchen und Musik sangen schließlich alle die alten Schlager wie einst in der Jugend im Turm-Café mit.

Steckenpferde hat Willy Müllers in seinem wahren Leben schon viele gepflegt, so etwa als Pilot mit Flügen über das Nettetal, einmal sogar zwischen den Türmen der Breyeller Pfarrkirche St. Lambertus hindurch. Sein neuestes Steckenpferd nun zeigte er bei der Nolstagie-Revue über Breyells wilde Jahre zwischen 1950 und 1970. Da ritt er als Schützenadjutant auf einem Steckenpferd quer durch die Zuschaurreihen hoch oben unter dem Dach der Stadtbücherei. Und 260 Hände beklatschten begeistert diesen Gag des 77-Jährigen innerhalb der Szene „Vogelschuss anno 1951“.

Spielte der Vogelschuss, bei dem es zunächst einen „König wider Willen“ gab und dann erst einen richtigen, auf einem Feld in Metgesheide, so hatten die weiteren Szenen ihren Ursprung in Gaststätten rund um den alten Lambertiturm mitten im Ort, denn „Breyell war damals ein El Dorado für Spaß, Freude und Unterhaltung“, hatte Angela Wegers in ihrer Einführung gesagt. 51 Kneipen jeder Kategorie gab es vor 50, 60 Jahren in Breyell, zeigte Günter Cox auf, von denen es viele heute nicht mehr gibt: das Hotel Böllhoff, Haus Wolken, Haus Grenzmark oder Abelen im Ritzbuch, auch das „Fünfmädelhaus“ genannt: Vier von ihnen saßen unter den Zuschauern und schmunzelten mit.

Zu denen, die sich herrlich amüsierten, gehörten auch Erhard Backes und Franz-Josef Prümen, die früher offensichtlich „flotte Feger“ waren, denn sie tauchten sowohl bei den Keglern auf, die jahrelang die Meisterschaften im Grenzland bestimmten, als auch bei den eifrigen Gästen im Turm-Café, in dem sich alle paar Wochen Schlagersternchen einfanden und einen Touch Glitterwelt nach Breyell brachten. Was Adam & Eve, Gus Backus oder Gerd Böttcher sangen, erklang auch jetzt wieder, musikalisch unterstützt von Udo Schröder – und alle durften mitsingen. So wild wie einst ging es dabei aber nicht mehr zu.

Als besonderer Kenner der Pestabar über dem Markstübchen erwies sich Winfried Sieben, der nicht nur die Geschichte des Etablissement mit Separée erzählte, sondern auch Geschichten wusste, die sich prima vom Ensemble „Breyell Kultur“ in Szene setzen ließen; dabei kamen dann auch Christa Lienen, Vera Gäbler, Veronika Wolters, Paul Lienen und Helmut Veikes zum Einsatz. Rolf Ingenrieth war zufrieden mit seiner Truppe, das Publikum sehr zufrieden über einen vergnüglichen Abend mit viel Erinnerungswert, bei dem auch der ortsbekannte Apotheker nicht fehlte, der das Marktstübchen immer mit einem Bierglas auf dem Kopf verließ.

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