Nettetal: Lehrer-Pensionäre in Vollzeitarbeit

Nettetal : Lehrer-Pensionäre in Vollzeitarbeit

An der Hauptschule in Lobberich fällt reihenweise Unterricht aus, obwohl das Kollegium überbesetzt ist. Eltern argwöhnen, dass die Schulaufsicht die beschlossene Auflösung der Schule nur noch beschleunigen will. Der Schulpflegschaftsvorsitzende Detlev Pockrandt schrieb einen offenen Brandbrief an die Stadt, in dem er die aus Elternsicht unhaltbare Situation an der Schule beschreibt. Es bestehe der Verdacht, dass der grassierende Lehrermangel von übergeordneter Stelle geplant worden sei. Die kommissarische Schulleiterin Erna Dusen relativierte einige Aussagen zu ausfallenden unterrichtseinheiten im Schulausschuss zwar, doch räumte sie ein, dass Unterricht ausfalle. Vor allem in naturwissenschaftlichen Fächern gibt es gravierenden Mangel. "Wir haben keine Fachlehrer, unterrichten aber dennoch. Das machen Kollegen in erster Linie aus Leidenschaft", sagte sie.

Nach den Tatsachen, die sie vortrug, muss allerdings bei der Schulaufsicht ein organisatorisches Chaos herrschen. Auf dem Papier ist die Hauptschule Lobberich mit Lehrerstellen zu 110 Prozent und damit überbesetzt. Aufgeführt im Stellenplan sind allerdings zwei Pensionäre, die seit Schuljahresbeginn in den Ruhestand gegangen sind, mit Vollzeitstellen. Das gilt auch für einen langzeitkranken Kollegen. Zwölf Lehrerinnen und Lehrer, von denen drei in Teilzeit arbeiten und zwei ganzjährige Fortbildungen absolvieren, zählt das angeblich überbesetzte Kollegium für acht Klassen. Die Stadt Nettetal denkt bereits darüber nach, die Hauptschule Lobberich aufzulösen und als Teilstandort von Kaldenkirchen fortzusetzen, bis sie ganz übersiedelt. Das wenigstens garantierte eine auskömmliche Besetzung im Kollegium mit allen Unterrichtsinhalten.

(lp)
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