Kultur in Nettetal Unsichtbares sichtbar gemacht

Nettetal · Vier Wochen lang hat die Dortmunder Künstlerin Anett Frontzek als Artist in Residence in Nettetal gearbeitet. Am Sonntag wird ihre Ausstellung im Projektraum Kunst Busch 8 eröffnet.

 Anett Frontzek vor einem Werk-Ensemble, für das sie auf dänische Seekarten zurückgegriffen hat.

Anett Frontzek vor einem Werk-Ensemble, für das sie auf dänische Seekarten zurückgegriffen hat.

Foto: Galerie Busch8

Ankern und Fischen verboten. So hat Anett Frontzek ihre Ausstellung im Projekt Raum Kunst Busch 8 überschrieben, die am Sonntag um 12 Uhr eröffnet wird. Die Dortmunder Künstlerin ist die fünfte Residenzkünstlerin von air Nettetal. Vier Wochen lang lebte, arbeitete und experimentierte die Künstlerin in Busch 8. Künstlerin und Galeristin Barbara Schmitz-Becker freut sich über die interessante Gesellschaft: „Wie schön, dich hier zu haben, liebe Anett.“

Frontzek versteht sich als konzeptionelle Künstlerin. „In meinen Arbeiten untersuche ich urbane, architektonische, geologische oder soziologische Strukturen. Ursprünglich von der Plastik kommend, entstehen in den letzten Jahren überwiegend Zeichnungen, Papierschnitte und Installationen.“ Sie bezeichnet sich als Forscherin in der Welt der Kartographie. Der Ausstellungstitel weist auf das aktuell vorherrschende Ausgangsmaterial hin: Sie übermalt eine Vielzahl von Sportbootkarten der Ostsee und fügt die gestalteten Karten in sich überlappenden Wandinstallationen zusammen. Dabei schwärzt sie das Land, gelbe Streifen zeigen Leuchtfeuer und pinke Felder Gefahrenpunkte an, die sonst als aufgedruckte Wörter wie Munition oder U-Boot-Übungsgelände leicht übersehen werden. Die steinige Landmasse der schwedischen Ostküste mit ihren vorgelagerten Inselwelten aus hartem Granit ist auf Seekarten fast unsichtbar. Wenn Frontzek sie mit Tusche übermalt, rücken sie in den Vordergrund. Mit Abstand betrachtet, wird das Ensemble der Seekarten der westlichsten Küste Finnlands vollständig abstrakt. In einer Karte der Weser- und Jade-Mündung hebt sie die Linien der früheren Decca-Funknavigation hervor: Etwas Unsichtbares wie Funkwellen sichtbar machen, das ist ganz nach ihrem Geschmack. Über diese visuellen Fragen geht sie aber auch bei ihren Forschungsreisen biologischen Fragen nach. So interessiert sie sich für Kieselalgen und Einzeller im Meereswasser. Oder für die Tiefenverhältnisse in der relativ flachen Ostsee. Oder für die Spuren der Gletscherbewegungen in der Eiszeit.

In der Ausstellung sind auch Wanderkarten aus der Schweiz zu sehen, die sie verändert hat. Dabei wurde nichts übermalt, sondern ausgeschnitten. Erhalten blieben nur der Rhein, Waldgebiete und die Wanderwege. Ortschaften und Straßen dagegen sind verschwunden. Für ihre Arbeit greift die Künstlerin ausschließlich auf altes Kartenmaterial zurück - alt heißt dabei alles vor 2000. Frontzek ist sich sicher, dass die Seekarten aus Papier bald ganz verschwinden und nur digital weiterleben. Jetzt spielen sie noch mal eine Hauptrolle. Bis zum 30. Juni samstags von 15 bis 17 und sonntags von 12 bis 17 Uhr geöffnet.