Nettetal Künftig elektronische Bücher ausleihen

Nettetal · Die Stadtbücherei überlegt, E-Books in ihr Programm aufzunehmen. Dazu sind noch grundsätzliche Rechtsfragen zu beantworten. In jedem Fall würde es so manchem Bücherwurm eine Menge Schlepperei ersparen.

 Büchereileiter Ulrich Schmitter favorisiert ein Netzwerk von vielen Bibliotheken, um sich des Projekts E-Book anzunehmen.

Büchereileiter Ulrich Schmitter favorisiert ein Netzwerk von vielen Bibliotheken, um sich des Projekts E-Book anzunehmen.

Foto: Franz-Heinrich Busch

65 Bücher hat ein Mädchen im Sommerleseclub der Stadtbücherei Nettetal "verschlungen". Das ist nicht nur eine stattliche Leseleistung. Sie musste die Bücher ja auch in der Bücherei abholen, nach Hause schleppen und sie zurückbringen. Demnächst dürfte sich das erübrigen.

Das "E-Book" erreicht auch öffentliche Leihbibliotheken. Allerdings werden die Besucher nicht etwa vor leeren Regalen stehen und sich virtuell den Lesestoff auf ihr Lesegerät "aufladen" lassen. Das Buch bleibt in der medialen Ausleihwelt die Nummer 1.

Allerdings wächst der Druck auch auf Bibliotheken. Der Internet-Handelsriese Amazon hat mit seinem System des E-Books neue Maßstäbe gesetzt. Die Medienkonzerne Bertelsmann und Pearson reagierten Ende Oktober mit einem Joint Venture, das weltweit einen neuen Branchenprimus schuf. Sie erwarten, dass die elektronischen Lesegeräte ihren Siegeszug mit höherem Tempo fortsetzen — und fördern den Prozess.

Nettetals Stadtbücherei beobachtet die Entwicklung sehr genau. Büchereileiter Ulrich Schmitter sieht noch keinen Grund, jetzt schnell zu handeln und sich der Technik anzupassen. Aber 2014 wird die Bücherei aller Voraussicht nach ein Projekt entwickeln, das sich mit dem E-Book befasst.

"Es macht keinen Sinn, das isoliert anzupacken. Ich halte mehr davon, dass sich Büchereien in einem Netzwerk zusammenfinden", sagt Schmitter. So kann keine Bücherei die elektronische Lizenz für einen Roman erwerben und ihn mehrfach digital ausleihen. "Die Lizenzvereinbarung mit dem Anbieter gilt nur für ein Buch", erklärt er.

Es gibt eine Reihe von öffentlichen Bibliotheken, die elektronischen Lesestoff verleihen. Hauptanbieter ist die Divib GmbH, die bereits mehr als 500 Bibliotheken bundesweit bedient. Büchereien können aber auch direkt mit Verlagen über elektronische Ausleihlizenzen verhandeln — der Aufwand wäre aber für eine kleine Bücherei wie die in Nettetal gigantisch.

Schmitter neigt daher eher dazu, sich einer Plattform zu bedienen und deswegen auch ein Bündnis mit anderen öffentlichen Büchereien einzugehen. So genannte Aggregatoren wie Divib lizenzieren und kumulieren Inhalte von Verlagen, die sie den Büchereien verkaufen oder auf einer eigenen Plattform bereitstellen.

Einige Grundsatzfragen sind nicht beantwortet. Einige Verlage haben Bedenken, dass ausgeliehene elektronische Bücher ihre Absatzmöglichkeiten einschränken. Diskussionen gibt es auch um die Angebote von Ausleihbibliotheken, Literatur online auf einen E-Reader lasen zu lassen. Sie wollen durchsetzen, dass der Kunde mit seinem Gerät ein Buch nur in der Bücherei herunterladen darf.

In den Büchereien wiederum muss der elektronische Zweig aufgebaut werden. Dazu gehört ein umfassendes Bestandsmanagement. Unklar ist außerdem, inwieweit Rechteinhaber den elektronischen Zugang öffentlicher Büchereien zu ihren Werken überhaupt gestatten. Nach Schmitters Angaben besteht auf vielen Gebieten noch erhebliche Rechtsunsicherheit.

(RP/rl)
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