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Kritiker Denis Scheck las bei den Nettetaler Literaturtagen

Kulturleben in Nettetal : „Nur im Lesen verstehen wir die Welt“

Bei den Nettetaler Literaturtagen las Kritiker Denis Scheck aus seinem Kanon der 100 wichtigsten Werke in der Alten Kirche und warnte vor schlechten Büchern.

Ulrich Schmitter, Leiter der Stadtbücherei Nettetal, war die Freude anzusehen: endlich wieder Literaturtage. Wenn auch anders. Aber ebenso gut. Denis Scheck saß an einem Tisch in der Alten Kirche in Nettetal und las gut gelaunt aus seinem Literaturkanon „Schecks Kanon. Die 100 wichtigsten Werke der Weltliteratur“. Zugleich saß er bei dem, der wollte, am Wohnzimmertisch: via Live-Stream. Denn die Literaturtage finden in diesem Jahr sowohl live als auch virtuell statt.

Denis Scheck ist bekannt, stellt der 1964 geborene Literaturkritiker, Übersetzer und Journalist doch regelmäßig im Radio und im Fernsehen ausgewählte Bücher vor.  „Nettetal ist eine bibliophile Kapitale“, meint er. Mit dieser Wertschätzung vor allem von Matusseks Bücherbestand, den zu besichtigen Scheck als Privileg bezeichnete, schlich er sich sekundenschnell in die Herzen der Zuhörer.

Bevor Scheck vier der 100 Kapitel und damit vier der 100 Autoren aus seiner Leseliste vorstellte, las er das pointierte Vorwort. Jeder Satz ein Treffer. Es befasst sich nicht mit der Frage, was, sondern, warum man lesen solle. Dies vorzutragen vor einer Schar von Leseratten, mag sein wie die Eulen nach Athen zu tragen, doch amüsant und wissensreich war es in jedem Fall. Da hörte man Sätze wie „Im Spiel der Literatur entwickeln wir Systeme der Wahrnehmung, um uns in der Welt zurecht zu finden.“ „Nur im Lesen verstehen wir die Welt.“ „Lesen heißt, die Todesangst zu bannen.“ „Lesen ist eine ziemlich neue Erfindung, weniger als 1000 Jahre alt.“

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Neben all der guten Literatur, die aus einem Menschen einen guten Menschen macht und über die Scheck in seinem Kanon erzählt, gibt es auch viele schlechte Bücher mit den gegenteiligen Folgen. In bester Kritikermanier äußerte Scheck seine Vermutung, dass es nicht mehr lange dauern werde, bis solche Bücher (er nannte Autoren wie Sebastian Fitzek, Paulo Coelho und Susanne Fröhlich) einen Warnhinweis ähnlich denen auf Zigarettenschachteln aufgeklebt bekommen, nach dem Motto „Das Lesen dieser Bücher verändert ihr Gehirn unwiederbringlich“. Und zwar nicht zum Guten.

Übrigens: keine Angst vor Denis Schecks Kanon. Jeder hat mindestens ein halbes Dutzend davon gelesen. Schließlich tauchen auch Bücher von Joanne K. Rowling, Astrid Lindgren, Tolkien und Agatha Christie auf. Versteckt zwischen Fontane, Dickinson, Flaubert, Goethe und Shakespeare und vielen anderen. In den einzelnen Kapiteln erfährt der Leser viel Informatives und Amüsantes über Autor, Inhalt und Hintergründe.