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Kriegsende 1945 - Als die Amerikaner Kaldenkirchen besetzten

Serie Vor 75 Jahren : Als die Amerikaner Kaldenkirchen besetzten

Zwei Monate vor der Gesamtkapitulation Deutschlands am 8. Mai 1945 war in Kaldenkirchen der Krieg zu Ende.

Der Frühlingsmonat März 1945 war gerade einmal 15 Stunden alt, als eine Panzergruppe der 35. Division des XVI. amerikanischen Korps von Wildenrath kommend und nach kurzem deutschen Widerstand zwischen Elmpt und Brüggen die Grenzstadt Kaldenkirchen erreichte. Ziel war die Stadt Venlo, die also nicht von Westen, sondern aus östlicher Richtung von der deutschen Wehrmacht befreit wurde.

Menschen bekamen die Amerikaner in Kaldenkirchen zunächst nur wenige zu sehen. Die kleine Grenzstadt war am 24. November 1944 evakuiert worden, zwangsgeräumt. Die Einwohner verschlug es zu großen Teilen nach Aschersleben und Derenburg am Rand des Harzgebirges. Nur noch wenige hielten sich illegal im Ort auf. Jene, die außerhalb der „Abschirmlinie“, in Dülken, Süchteln oder Oedt zum Beispiel meist bei Verwandten untergekommen waren, kehrten rasch zurück. Bei den ins Harzgebiet gebrachten Bewohnern sollte es noch Wochen und Monate dauern, ehe sie ihre Heimat wieder erreichten. Die Verwaltung des Ortes, jedenfalls das, was davon noch übrig war, handelte vorübergehend von Breyell aus. Die Feuerwehr war nach Lank evakuiert worden.

Wichtigster Ort der amtlichen Kommunikation unter alliierter Besatzung waren wochenlang die Gottesdienste, in denen unter anderem verkündet wurde, dass das „Herumstehen von 5 und mehr Personen“ verboten und als Versammlung gewertet würde.

Am 2. März schlug sogar General Simpson, der Oberbefehlshaber der 9. US-Armee, für einige Tage seinen Gefechtsstand in Kaldenkirchen auf. Doch das Wichtigste für Kaldenkirchen war: Zwei Monate vor der Gesamtkapitulation Deutschlands am 8. Mai 1945 war hier der Krieg zu Ende. Das Leben, geprägt von Bombenangriffen, von endlosen Stunden in Kellern und Bunkern, von bis zum Ende herrschender Angst vor fanatischen Nazis war vorbei, auch wenn Elend und heftigste Alltagssorgen die Bewohner bedrückten.

Hinter den Menschen im heutigen Kreis Viersen lag der dramatische Monat Februar 1945, der für die Amerikaner zu den verlustreichsten des Zweiten Weltkrieges überhaupt gehörte. Im Osten des Kreises bei Schiefbahn kam es zu einer letzten erbitterten Panzerschlacht zwischen Deutschen und Amerikanern. In der „Operation Grenade“ stieß die 9. US-Armee nach Überquerung der Rur zwischen Neuss und Rheinberg zum Rhein vor. Der zwischen dem 22. Februar und dem 11. März bei heftigem deutschem Widerstand stattfindende mühsame Siegeszug der Amerikaner war entsetzlich verlustreich. Nach amerikanischen Angaben verloren bis zu 7300 amerikanische Soldaten ihr Leben, 30.000 deutsche gerieten in Gefangenschaft, 6000 fielen. Ebenfalls am 1. März wurde Mönchengladbach von einem Regiment der 29. US-Infanteriedivision eingenommen. Am selben Tag erreichte die 2. US-Panzerdivision auch den Stadtrand von Krefeld.

Ganz schlimm war zuvor der Monat Februar 1945 auch für die Kreisstadt Kempen gewesen. Zur reichhaltigen Literatur über die letzte Kriegsphase am Niederrhein gehört besonders die umfänglich recherchierte Darstellung der Ereignisse in Hans Kaisers zweitem Band „Kempen unterm Hakenkreuz“. Detailreich, mit vielen Zeugenaussagen und mit Luftaufnahmen alliierter Provenienz, hat er Kempens schwärzesten Tag, den 10. Februar 1945, dargestellt.

Der Blutzoll dieses Luftangriffs war hoch. Statt vieler Einzelheiten sei ein Totenzettel zitiert, der für die ausgelöschte Bäckersfamilie Lintermanns von der Ellenstraße in Kempen gedruckt wurde und das Leid in Worte fasste. Ums Leben gekommen waren die Eheleute Karl und Sophia Lintermanns und ihre drei Kinder Maria Theresia (19), Irmgard (17) und Alexe (14): „Sie alle bildeten eine traute, einander in Liebe und Güte ergebene Familiengemeinschaft, die in den Aufgaben ihres Berufes, in der Pflege echten Familiensinnes, im Erweis gegenseitiger Liebe und Ehrfurcht in guten und sorgenvollen Tagen zueinander stand. Mit rauer Hand griff der Tod in dieses Glück hinein: Als Opfer des Luftangriffes auf Kempen am 10. Februar 1945 gingen sie miteinander in die Ewigkeit, wohl vorbereitet und gerüstet mit den stets geübten Tugenden eines christlichen Lebenswandels“. Nur der Sohn und Bruder Karl Herbert war als Flakhelfer im Osten dem Angriff entgangen.

Ein letzter Luftangriff auf Kempen wurde am Morgen des 2. März 1945 geflogen. Schwer getroffen wurde die an Kunstschätzen so reiche Propsteikirche. Kempen stand unmittelbar vor der Übernahme durch die Amerikaner.