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Krefeld und Kreis Viersen: Landwirte und Agrarhandel spenden 200 Strohballen an Flutopfer

Gelebte Solidarität in Krefeld, Willich und Nettetal : 200 Strohballen für Flutopfer

Sieben Landwirte packten an, um unbürokratisch 200 Ballen transportfertig zu machen. Sie werden einem von der Überflutung betroffenen Reitstall zur Verfügung gestellt. Trockenes Stroh ist ein kostbares Gut geworden.

Von einer guten Idee bis zu deren Umsetzung kann der Weg sehr kurz sein. Das bewiesen jetzt Krefelder Landwirte, die sich spontan entschlossen, ihren Berufskollegen in den Überflutungsgebieten zu helfen. Innerhalb von nur einer halben Stunde organisierten sie eine Spende von 200 Strohballen. Mit im Team war auch Johannes Weyers mit seinem Landhandel an der K24 in Nettetal. Aus seinem eigenen Bestand hatte er Stroh im Wert von 10.000 Euro an Pferdeställe in den Krisengebieten geliefert. Da traf der Anruf aus Krefeld auf offene Ohren.

 Landwirt Ralf Pauelsen aus Hüls kam noch am Sonntag mit seiner Ballenpresse und legte direkt los.
Landwirt Ralf Pauelsen aus Hüls kam noch am Sonntag mit seiner Ballenpresse und legte direkt los. Foto: Andreas Overings

Beim sonntäglichen Frühstück kam Landwirt Heinz Overings aus Hüls die Idee. „Was hast du mit dem Stroh auf unserer Parzelle vor?“, fragte er seinen Sohn Andreas. Gemeint war ein sechs Hektar großes Flurstück, dessen Weizenstroh Pferdewirt Klaus Dahlhoff versprochen war, der einen Reitstall in Kempen führt. Hintergrund der Frage: Heinz Overings hatte kurz zuvor den Aufruf des Deutschen Bauernverbandes gehört, den von der Flutkatastrophe betroffenen Landwirten mit Futtermitteln und Material zu helfen. „Mein Vater schlug deshalb vor, das Stroh in die von der Überflutung betroffenen Gebiete im Kreis Aachen zu fahren und den dortigen Landwirten zu spenden“, erinnert sich Sohn Andreas, der die Idee auf Anhieb super fand.

 Die Landwirte sammeln die frisch gepressten Strohballen ein und tragen sie zusammen.
Die Landwirte sammeln die frisch gepressten Strohballen ein und tragen sie zusammen. Foto: Andreas Overings
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Der 33-Jährige nahm deshalb sofort Kontakt zu Klaus Dahlhoff auf, der spontan auf das eigentlich ihm versprochene Stroh verzichtete und seine Hilfe bei der Spendenaktion zusagte. Keine halbe Stunde später war die gesamte Aktion organisiert, und die Helfer aus sieben Betrieben in und um Krefeld packten kräftig mit an.

Dabei gab es einiges zu bedenken. Wer hat Zeit, die Ernte einzufahren? Wer bringt die Ballen in die betroffenen Gebiete? Wer zahlt für den Diesel? Wer hat die notwendigen Maschinen? „Ich finde es toll, wie schnell und unbürokratisch alles abgelaufen ist. Der Zusammenhalt unter den Betrieben ist schon etwas Besonderes“, lobt Andreas Overings, der mit seinem Vater einen landwirtschaftlichen Betrieb führt, der sich auf die Produktion und die Vermarktung von Speisekartoffeln spezialisiert hat.

Wenig später an diesem Sonntag sind alle Formalitäten geklärt. Theo Tolls, Heizöl-Lieferant aus Willich, spendiert den notwendigen Kraftstoff, der RWG-Raiffeisenmarkt aus Kempen das Ballengarn, um große Rundballen zu schnüren. Landwirt Ralf Pauelsen aus Hüls rückt mit seiner Ballenpresse an. Familie Driehsen vom Krefelder Reitstall Luisenhof und Landwirt Karl Fliegen aus Tönisvorst kommen ebenfalls noch am Sonntag zum Overings-Hof, um die frisch gepressten Strohballen aufzusammeln. Am Abend dann ist das Werk tatsächlich vollbracht und 200 Ballen, jeder einzelne mit einem Durchmesser von 1,50 Meter und mehr als 200 Kilo schwer, stapeln sich fein säuberlich  auf dem Feld.

„Wir haben extra Rundballen gepresst, da sie wegen ihrer runden Form nicht feucht werden. Das Regenwasser läuft einfach ab. Dadurch haben wir keinen Zeitdruck, und auch die Landwirte vor Ort sind zeitlich flexibel“, erklärt der 33-Jährige. Der Transport wird von Georg Dahlhoff, Inhaber des Cafés Kornblume in Hüls, und Johannes Weyers, Besitzer des gleichnamigen Agrarhandels in Nettetal, übernommen. Weyers wird die Ballen auf einen Lkw laden. Aktuell ist er in Gesprächen mit der Verteilerstelle, die alle Hilfsangebote koordiniert. Seit Mittwoch steht nun fest, wohin die Reise geht. „Das Stroh wird auch diese Woche noch nach Niederehe zu einem Reitstall gefahren“, sagt Overings. Der Reitstall war komplett überschwemmt worden. Niederehe liegt im Landkreis Vulkaneifel in Rheinland-Pfalz und gehört zur Gemeinde Üxheim. Gut 150 Kilometer liegen zwischen Krefeld und Niederehe, die von den Krefelder Helfern überbrückt werden müssen. Die reine Fahrtzeit dauert laut Routenplaner knapp zwei Stunden. Jedes Fahrzeug wird 34 Ballen laden können, macht 68 Ballen pro Tour, für die die Landwirte inklusive Abladen etwas über vier Stunden einplanen. Helfer vor Ort, die auch einen Frontlader zum Abladen der Ballen dabei haben, stehen bereit.

Drei Touren werden Georg Dahlhoff und Johannes Weyers machen müssen, bis alle 200 Ballen ihren Bestimmungsort erreicht haben.

Mit der aufwändigen Aktion, die einen geschätzten Gegenwert von rund 7000 Euro hat, möchten die Landwirte ein Zeichen setzen. Andreas Overings betont: „Nicht wir als Einzelpersonen stehen bei der Spendenaktion im Vordergrund, sondern die Landwirte als Gesamtheit, die füreinander einstehen:“