Nettetal: Krankenhaus für Arme

Nettetal: Krankenhaus für Arme

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war die medizinische Versorgung der Bevölkerung auf dem Lande eher schlecht als recht. Erst als sich um 1850 katholische Frauenorden bildeten, die sich der Krankenpflege widmeten, entstanden in einigen Gemeinden Krankenstationen vor allem für arme und alleinstehende Leute. Denn die Pflege der Kranken war in erster Linie Sache der Familie. Derartige Krankenstationen gab es in Breyell (1830), Hinsbeck (1856), Kaldenkirchen (1896) und Lobberich (1869). Auch die ersten Krankenhäuser waren hauptsächlich Armenhospitäler.

In Breyell entstand der Krankenhausbau nordöstlich der Pfarrkirche in den Jahren 1897 und 1898, nachdem die Erben des Lobbericher Textilfabrikanten Julius Niedieck 40 000 Reichsmark zur Verfügung gestellt hatten. Das 50-Betten-Haus wurde 1959/60 noch einmal auf 60 Betten erweitert, diente ab 1970 als zweites (schwächeres) Bein des Nettetaler Krankenhauses und wurde 1996 geschlossen. Heute ist dort ein Curanum-Seniorenheim.

In Hinsbeck geht das Krankenhaus an der Lobbericher Straße (heute Landstraße) auf eine Initiative des Grafen von Schaesberg zurück, der es 1884/85 erbaute und 1902 der Pfarre St. Peter schenkte (Wert von Gebäude und Grundstück: 41 000 Reichsmark). 1898 wurde von der Pfarre die Kapelle angebaut. Von 1911 bis in die 60er Jahre veränderte sich nichts an der Bettenzahl von 35. Erst vor 50 Jahren wurde das Hospital nach und nach zu einem "Altenerholungsheim" umgewandelt und ausgebaut. Der Krankenhausbetrieb wurde zum 31. Juli 1967 eingestellt.

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Kaldenkirchen kam erst 1903 zu einem Krankenhaus an der Breyeller (heute Kölner) Straße, das 1910 erweitert und um 1930 durch Röntgenanlage und Aufzug ergänzt und allgemein modernisiert wurde. Großzügige Ausbaupläne Anfang der 1960er Jahre scheiterten, aus dem Krankenhaus wurde am 1. Juli 1973 ein Altenheim, das noch bis Ende der 1990er Jahre Bestand hatte. Inzwischen ist ein neues Seniorenheim an der Venloer Straße (Curanum) gebaut, das Krankenhausgebäude wurde 1999 abgerissen. Heute steht dort ein Lebensmittel-Discounter.

Aus dem einst vor allem für arme Kranke errichteten Marienhospital ist im 125. Jahr seines Bestehens nun ein umfangreiches Gesundheitszentrum geworden.

(RP)
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