Nettetal Kopfweide geht's an den Kragen

Nettetal · Die Arbeitsgemeinschaft Biotopschutz hat in dieser Saison bereits rund 700 Kopfweiden im Viersener Westkreis zurückgeschnitten. Steigende Kosten und geringere Einnahmen bereiten dem Verein jedoch Probleme.

 Kopfweiden prägen das Landschaftsbild des Niederrheins. Die Bäume werden in regelmäßigen Abständen auf eine Höhe von rund zwei Metern zurückgeschnitten, wodurch der sogenannte Kopf entsteht.

Kopfweiden prägen das Landschaftsbild des Niederrheins. Die Bäume werden in regelmäßigen Abständen auf eine Höhe von rund zwei Metern zurückgeschnitten, wodurch der sogenannte Kopf entsteht.

Foto: Busch

Ein wenig traurig sehen sie aus, die frisch zurückgeschnittenen Kopfweiden, die derzeit an vielen Stellen in der Region zu sehen sind. Doch was nach Kahlschlag aussieht, ist nötig, um die Bäume vor dem Auseinanderbrechen zu schützen. Rund 700 Kopfweiden haben die Mitarbeiter des Landschaftshofs Baerlo in dieser Saison (sie geht von Anfang November bis Ende Februar) im Viersener Westkreis bearbeitet.

Im Rhythmus von fünf bis sieben Jahren müssen die Kopfweiden zurückgeschnitten werden, damit die Äste nicht zu lang werden und der Stamm nicht auseinanderbricht. Wenn das Wetter mitspielt, schaffen Bernd Rosenkranz, der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Biotopschutz, die den Landschaftshof unterhält, und seine ehrenamtlichen Mitarbeiter bis zu 1000 Bäume pro Saison.

Nur noch wenig Zeit

Der strenge Frost der vergangenen Wochen hat ihnen jedoch einen Strich durch die Rechnung gemacht. Nun bleiben nur noch ein paar Tage für das Zurückschneiden weiterer Bäume. "Dann müssen wir aufhören, weil die Brutzeit beginnt", erklärt Rosenkranz. Die Kopfweiden sind Lebensraum für Tiere wie den bedrohten Steinkauz oder Insekten. Die Tiere finden in hohlen Stämmen Unterschlupf.

Für Rosenkranz ist die Pflege der Kopfweiden eine Herzensangelegenheit, sind die Bäume doch landschaftsprägend für den Niederrhein. Viel Geld bekommt der Landschaftshof nicht für die Pflege der Bäume: Für Städte, Gemeinden und Wasserverbände arbeitet der Landschaftshof kostenfrei — immerhin rund ein Drittel der Bäume. Der Naturpark Schwalm-Nette zahlt teilweise nur 25 Euro pro Baum auf Privatgrundstücken. Und das bei immer weiter steigenden Kosten für Sprit und das Ausleihen eines Schredders für die Zerkleinerung der Äste. Hinzu kommen laut Rosenkranz strenge Auflagen; so müssen etwa Fahrspuren wieder beseitigt werden und bei der Pflege beschädigte Zäune wieder instand gesetzt werden. Zuvor müssen natürlich noch Einverständniserklärungen der Besitzer eingeholt werden — was nicht selten aufwendig ist. "Die Dumpingpreise und strengen Auflagen sind bestens dazu geeignet, die Kopfweiden aus der niederrheinischen Landschaft verschwinden zu lassen", klagt der 72-Jährige.

Fünf bis sechs Leute sind jeweils im Einsatz, um eine Kopfweide zu beschneiden. Ausgerüstet mit Helm, Gesichts- und Gehörschutz sowie Schnittschutzbekleidung, schneiden sie die mehr als drei Meter langen Äste ab, die größtenteils entsorgt werden. "Weiterverwenden können wir nur die geraden Äste", erklärt Rosenkranz, der bereits seit 1971 Kopfweiden schneidet. Die geraden Äste werden als Stecklinge in die Erde gepflanzt oder verwendet, um daraus Flechtzäune zu machen. Fragt sich nur, wie lange noch, denn neben den hohen Kosten setzt dem Landschaftshof auch zu, dass sich immer weniger ehrenamtliche Mitarbeiter finden lassen.

(RP/rl)
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