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Kreis: Kontrollen nach dem Schlachten lückenhaft

Kreis : Kontrollen nach dem Schlachten lückenhaft

Kreislandwirt Paul-Christian Küskens erläutert die Kennzeichnung von Nutztieren auf den Bauernhöfen und ihre Kontrolle.

Viersen Paul-Christian Küskens gibt sich keiner Illusion hin. "Wer betrügen will, der schafft das mit der erforderlichen kriminellen Energie", sagt der Vorsitzende der Kreisbauernschaft Krefeld-Viersen. Jüngste Lebensmittel-Skandale um falsch deklariertes Fleisch und Bio-Eier wundern ihn nicht. Es gebe Lücken im System, die auch die Landwirtschaft beklage, sagt er.

Der Niederkrüchtener flüchtet sich nicht in Plattitüden, wenn er auf Skandale um Lebensmittel angesprochen wird. "Es gibt ein Regelwerk, an das wir uns halten. Aber niemand garantiert dafür, dass das alle tun. Vor allem in der Peripherie der Erzeuger, auf dem Weg der Verarbeitung bis zum Verbraucher, da gibt es bedenkliche Lücken."

Kommt auf dem Hof von Küskens ein Kalb zur Welt, muss es sofort registriert werden. Es erhält an beiden Ohren "Lebensmarken". Eine Kombination aus Buchstaben (DE für Deutschland) und Zahlen weist den Weg bis zum Hof von Küskens. Wohin er das Tier auch verkauft – diese Herkunft kann immer verfolgt werden. Wenn Küskens ein Tier aus seiner Zucht verkauft, muss er es am selben Tag per Internet aus einer Datenbank abmelden, der Käufer muss sofort den Kauf entsprechend in der Datenbank vermerken. Unterbleibt dies, werden Erzeuger oder Händler nach wenigen Tagen ultimativ aufgefordert, dies nachzuholen oder Irrtümer – Zahlendreher kann es immer einmal geben – aufzuklären. Verkaufspapiere müssen ebenfalls nachgewiesen werden.

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"Der Lebensweg eines Tieres kann vollständig verfolgt werden", erklärt der Kreislandwirt. Verende ein Tier in seinem Betrieb oder schlachte er es selbst, müsse er dies ebenfalls anzeigen. "Sie kriegen heute kein Rind mehr ohne Ohrenmarke geschlachtet", unterstreicht Küskens. Schweine erhalten keine individuelle Nummer, aber sie haben einen Zahlenschlüssel, der auch zum Erzeugerbetrieb führt.

Diese Form der Rückverfolgung endete aber da, wo ein Tier geschlachtet worden ist. In der Dokumentation der Weiterverarbeitung klafften jene Lücken, die es Fahndern so schwer machen herauszufinden, woher die Pferde stammen, die als Rindfleisch deklariert in Fertig-Lasagne gefunden wurden. "Da, wo der Preisunterschied zwischen Rind- und Pferdefleisch besonders groß ist, also eine hohe Verdienstspanne winkt, besteht die Gefahr der Falschetikettierung. Das gilt vor allem in Regionen, in denen man sich keine großen Gedanken über das Fleisch generell macht."

Ein Pferd erhält übrigens bei der Geburt einen Pass. Darin vermerkt der Halter, ob das Tier später geschlachtet und als Lebensmittel dient oder nicht. Dies entscheidet unter anderem darüber, welche Medikamente einem Pferd gegeben werden dürfen und welche nicht. Ist es ein künftiges Lebensmittel, sind Medikamentengaben deutlich eingeschränkt, um Risiken zu mindern. Außerdem wird dem Tier mit der Geburt ein Chip implantiert. "Ohne Papiere kann keiner ein Pferd einfach aufladen", betont Küskens. Lücken vermutet der Landwirt im weiteren Umgang mit Sportpferden, vor allem im grenzüberschreitenden Handel. FRAGE DES TAGES

(RP)