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Nettetal: Klimawandel auf den Feldern

Nettetal : Klimawandel auf den Feldern

EHEC-Krise, globaler Getreidehandel und die Dürre im November. Welche Auswirkungen hatte all das auf die Landwirtschaft im Kreis im Jahr 2011? Paul-Christian Küskens, Vorsitzender der Kreisbauernschaft, zieht Bilanz.

Kreis Viersen Die Straßencafés waren voll und die Flusspegel zu niedrig. Der sonst scheußlichste Monat des Jahres, der November, entpuppte sich als trocken, mild und voller Sonnenschein. Am Ende des Monats stand dann gar fest: Der November 2011 war der trockenste Monat seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. An manchen Messstationen hatte es den ganzen Monat lang nicht einen Tropfen Niederschlag gegeben.

Sorgen um die Landwirtschaft muss man sich deshalb nicht machen. "Wir haben den trockenen November sogar eher als positiv empfunden. Denn das gab uns in den vergangenen Wochen die Möglichkeit, im Trockenen zu ernten, anstatt uns die Böden kaputt zu fahren", sagt Paul-Christian Küskens, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Krefeld-Viersen. Bereits eingesäte Winterkulturen wie Weizen und Gerste hätten jedoch mehr Regen gebraucht. "Aber das ist für den Weizen kein Problem, der holt das jetzt auf", meint Küskens.

Ertragsausfälle beim Getreide

Schlimmer war da schon die extreme Trockenheit im April. Dadurch gab es zum Teil erhebliche Ertragsausfälle bei der Getreideernte, vor allem auf den sogenannten leichten Böden. "Manche Bauern hatten Ausfälle von 30 bis 40 Prozent", sagt Küskens. Im Schnitt war die Saison dann trotzdem positiv, denn die gute Ernte auf den schweren Böden glich die Ausfälle aus.

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Schlecht war das Jahr bei den Schweinebauern. Ferkel und Mastschweine erzielen schlechte Preise auf dem Markt, dazu kommt ein hoher Futterpreis aufgrund der hohen Weizenpreise. Auch die Gemüsebauern hatten in diesem Jahr zu kämpfen. Schuld ist die Aufregung um den EHEC-Erreger, die im Sommer zu erheblichen Absatzeinbußen führte. "Das hat sich bis heute noch nicht wieder eingependelt", so Küskens.

Die Rinderbetriebe standen besser da: "Die Preise sind auf einem guten Niveau und vor allem Schlachtkühe erzielen die besten Preise seit Langem", freut sich Küskens. Der Milchpreis habe sich auch verbessert, sei aber immer noch zu niedrig.

Im Dezember werden nun noch die letzten Zuckerrüben geerntet und bis Mitte Januar zu den Zuckerfabriken gefahren. Außerdem wird weiterhin Weizen ausgesät. "Die meisten Bauern nutzen das Ende des Jahres auch für die Maschinenwartung und Buchführung", weiß Küskens.

Immer mehr bekommen auch die Bauern im Kreis den Einfluss der Globalisierung zu spüren. "Wir merken sehr genau, ob es in Russland eine gute Getreideernte gab oder nicht. Oder ob in Südamerika der Preis für Weizen steigt." Denn daran hängen auch die kreis- oder deutschlandweiten Preise im globalen Handel. Auch die erhöhte Nachfrage nach Bioenergien weltweit betrifft die Bauern im Kreis. "Die Globalisierung der Landwirtschaft wird in den nächsten Jahren weiter zunehmen", prophezeit Küskens. FRAGE DES TAGES

(RP)