Filter für Narkose-Gase Krankenhaus Nettetal betäubt Patienten jetzt klimafreundlich

Nettetal · Umweltbelastende Gase werden bei Operationen in Lobberich nicht mehr freigesetzt. Die Anästhesisten nutzen ein Filter-System, das längst noch nicht alle Kliniken haben.

 Rainer Schmitz, Chefarzt der Anästhesie im Krankenhaus Nettetal, zeigt den Zylinder, in dem sich der Aktivkohlefilter befindet.

Rainer Schmitz, Chefarzt der Anästhesie im Krankenhaus Nettetal, zeigt den Zylinder, in dem sich der Aktivkohlefilter befindet.

Foto: Holger Hintzen

Tief einatmen und nach wenigen Atemzügen das Bewusstsein verlieren, das ist eine Narkose-Methode, die bei ungezählten Operationen angewendet wurde. „Milliardenfach bewährt“, nennt Rainer Schmitz, Chefarzt der Anästhesie im Nettetaler Krankenhaus, das Verfahren. Eine Nebenwirkung für die Umwelt hatte diese Art der Betäubung allerdings bisher: Mit der Abluft des bei der Narkose verwendeten Gases gelangten Fluorkohlenwasserstoffe (FKW) und Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) in die Atmosphäre – die der Ozonschicht schaden und damit für den Treibhauseffekt mitverantwortlich sind. In Nettetal richten sie allerdings inzwischen keinen großen Schaden mehr an. Nach einer ersten Testphase im November vergangenen Jahres hat das Krankenhaus inzwischen seine fünf OP-Säle, in denen mit Narkose gearbeitet wird, mit einem Filtersystem ausgestattet. Und das hat noch längst nicht jedes Krankenhaus in Deutschland.

FKW und FCKW sind wegen ihrer Schädlichkeit für das Klima mittlerweile in vielen Anwendungsbereichen verboten. Sie dürfen beispielsweise nicht mehr für Kühlmittel, als Reinigungsmittel oder als Treibgas für Spraydosen verwendet werden. Im Operations-Saal hingegen sind die bewährten FKW- und FCKW-haltigen Narkosemittel allerdings immer noch erlaubt – und werden meist noch ungefiltert in die Atmosphäre entlassen. Dabei lassen sie sich mit ziemlich einfachen Mitteln aus der Luft wieder entfernen, die der narkotisierte Patient ausatmet. Das in Nettetal und – nach Schätzung von Rainer Schmitz – in etwa 150 Kliniken deutschlandweit eingesetzte System besteht eigentlich nur aus einem Zylinder, der mit Aktivkohle gefüllt ist. Es arbeitet so effizient, dass weit über 90 Prozent der von Patienten ausgeatmeten Anästhesiegase aus der Abluft gefiltert werden. „Volle“ Filter werden gesammelt und recycelt, auch Narkosegas kann in diesem Prozess wiedergewonnen werden.

Näher interessiert für dieses Verfahren hat sich Schmitz, als er erfuhr, dass es in einigen Universitätskliniken schon eingesetzt werde. Im November 2022 wurde es in Lobberich dann zum ersten Mal in einem der Operationssäle ausprobiert. Aufwendige Umbauten waren dafür nicht nötig, der Filter lässt sich relativ einfach mit Schläuchen und vorhandenen Apparaturen verbinden.

Für Schmitz ist das neue Verfahren ein Schritt hin zum klimaneutral arbeitenden Krankenhaus. Und nicht einmal ein sonderlich teurer. Denn der Kompressor im Keller, mit dem bislang die Narkose-Abluft aus den OP-Sälen abgesaugt und dann nach draußen in die Atmosphäre gepumpt wurde, verbrauchte einiges an Strom.

(hh)
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