Nettetal: Kleine Steuersünder an der Hundeleine

Nettetal : Kleine Steuersünder an der Hundeleine

Die Stadt vermutet, dass zehn bis 15 Prozent der Hunde in Nettetal nicht ordnungsgemäß angemeldet sind. Vor zwölf Jahren gab es nach einer Kontrolle eine wundersame Hundevermehrung.

Der Nettetaler gilt gemeinhin als bodenständig, ein bisschen konservativ und als im Großen und Ganzen ehrlich. Nur wenn er auf den Hund kommt, scheint mancher Bürger diese Eigenschaften nicht mehr in aller Konsequenz auszuleben. Er schummelt. Statistisch gesehen läuft nämlich inzwischen jeder zehnte Nettetaler einem Hund hinterher, der mal dringend raus muss. Die Zahl der Hunde beginnt, die der Kinder in der Stadt zu übersteigen. Steuerlich sind aber längst nicht alle Vierbeiner erfasst.

Vor etwa zwölf Jahren hat das städtische Steueramt mal genauer hingesehen. Damals waren etwa 2800 Hunde steuerlich registriert. Eine umfassende Kontrolle förderte damals schon Erstaunliches zutage: In Wahrheit gab es 3200 Hunde. So steckt in manchem Hundehalter ein kleiner Steuerbetrüger, der zwar nicht Millionen hinterzieht, wie einige sattsam bekannte Manager in Wirtschaft und Sport — am Ende kommt es aber auf dasselbe heraus. Die einen sehen nicht ein, dass sie "sauer verdiente" Millionenbeträge steuerlich anmelden, andere konstruieren sich eigene Argumente dagegen, für ihren Hund Geld an den städtischen Fiskus abführen zu müssen.

So abwegig ist der Verdacht wohl nicht, dass da morgens so mancher kleine Steuersünder in Feld und Flur mit dem Objekt der Hinterziehung an langer Leine unterwegs ist. Bei einem Treffen der ehrenamtlichen Ordnungspaten berichtete ein Bürger unlängst, in seiner Nachbarschaft gebe es neun Haushalte mit Hunden. Die daraufhin vorgenommene Kontrolle der Stadt ergab, dass sieben von diesen neun Hunden nicht gemeldet waren.

"Das geht ja wohl überhaupt nicht", empörte sich im Ordnungs-Ausschuss Johannes Peters (FDP). Er bat Steuerplaketten zu prüfen, möglichst bunt, damit man sie gut erkenne. Das hatte die Verwaltung 2002 schon in die Diskussion eingebracht, aber der Rat konnte sich damals nicht dazu durchringen, sie einzuführen. Auf Fragen von Hajo Siemes (WIN), wie es heute um die Steuerehrlichkeit bestellt sei, berichtete Fachbereichsleiter Klaus Ossmann, man gehe allgemein von einer Dunkelziffer zwischen zehn und 15 Prozent Hundebesitzern aus, die die Steuer hinterzögen. "Überproportional viele Hunde" vermutet Christian Stein (CDU) in Nettetals Haushalten. Der Vorsitzende des Ausschusses erfuhr, dass die Stadtverwaltung bald wohl wieder kontrollieren wird, ob Hunde ordnungsgemäß gemeldet sind. "Ich sehe nicht ein, dass jemand brav für seinen Kampfhund rund 500 Euro im Jahr Steuer zahlt, dagegen andere keinen Cent für ihren Hund zahlen. Das kann nicht angehen", erklärte Johannes Peters.

Nach Angaben der Stadtverwaltung zeigen die verstärkten Kontrollen ganz bestimmter Gebiete bei Hundehaltern Wirkung. So eröffnete die Stadt an zwei Tagen acht Verwarnungs- und Bußgeldverfahren gegen Hundehalter, die bei Regelverstößen im Gebiet zwischen Breyell und Lobberich erwischt wurden. Dabei ging es hauptsächlich darum, dass Hundekot nicht beseitigt wurde. Die Kontrollen zeigten aber wohl mittlerweile Wirkung.

(RP)
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