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Nettetal: Klebrige Angelegenheit

Nettetal : Klebrige Angelegenheit

Viele Städte wollen nicht länger zulassen, dass Handballer mit Haftmitteln spielen. Die Reinigungskosten steigen, es gibt Schäden in den Hallen. Der Kreissportbund moderierte eine kontroverse Diskussion der Beteiligten.

Die Angelegenheit entzweit Handballer und Städte als Betreiber von Sporthallen. Obwohl der Westdeutsche Handballverband (WHV) Haftmittel aller Art untersagt, gibt es immer wieder Verstöße. Etliche Kommunen haben es satt, mehr Geld für die Reinigung auszugeben. Handballer lieben Harz, weil der Ball griffiger wird.

Der Kreissportbund Viersen (KSB) möchte den Konflikt beilegen. Unter Leitung des KSB-Vorsitzenden Kurt Heinrich diskutierten Vertreter von Sport und Kommunen jetzt in Lobberich. Der WHV macht Vereine für Verstöße haftbar. Schiedsrichter und Zeitnehmer müssen Beobachtungen in offiziellen Spielberichten vermerken. Ob sie es tun, steht auf einem anderen Blatt. Beim ersten Verstoß in einem Spieljahr müssen Vereine 125 Euro zahlen, im Wiederholungsfall sind 250 Euro fällig.

Soweit die Theorie. Denn das schreckt nicht alle Akteure. So berichtete Günter Blank (Stadtsportverband Viersen): "Ich arbeite seit 47 Jahren ohne Harz. Man muss die Spieler überzeugen. Das geht meist nur, wenn es Akteure aus den eigenen Reihen sind." Ernst Wittgens und Schiedsrichterwart Fritz Hubbels vom Handballverband Niederrhein zweifelten das nicht an. Jugendliche sähen aber, wie ihre Vorbilder von Außenpositionen her Tore erzielten, die ohne Haftmittel nicht möglich seien. Verzichteten sie auf diese Hilfe, werde ihnen der Weg in höhere Klassen versperrt.

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"Wollen wir guten Handball in unserer Sportstadt Nettetal erhalten oder Larifari spielen?" fragte Hans-Hubert Glock, Vorsitzender des TV Lobberich. Das Problem gebe es in Nettetal erst seit der Eröffnung der Werner-Jaeger-Sporthalle. Der TVL frage sich, ob kritischer hingeschaut werde. Dies wiesen für die Städte Nettetal und Viersen sowohl die Vorsitzenden der Stadtsportverbände, Willi Wittmann und Klaus-Dieter Grefkes, als auch Verwaltungsmitarbeiter zurück. Ursula Heyer (Viersen) und Liesel Büsen (Nettebetrieb) berichteten von erheblichen Schäden in Hallen. "Ich verstehe die Diskussion nicht. Harz ist verboten. Wenn sich alle daran halten, haben wir Chancengleichheit", wunderte sich Ursula Heyer. Die Nettetaler berichteten, Sonderreinigungen kosteten bis zu 300 Euro. Die Kommunen überließen Vereinen die Hallen gebührenfrei, das müsse nicht so bleiben. Verbandsvertreter räumten ein, dass Verstöße nicht konsequent verfolgt würden.

Kurt Heinrich will das Thema weiterverfolgen. Der KSB werde Stadt- und Gemeindesportverbänden die Fakten auflisten. Vielleicht seien "runde Tische" sinnvoll.

KOMMENTAR/FRAGE DES TAGES

(RP)