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Nettetal: Kirmes ist für Schausteller ein Kraftakt

Nettetal : Kirmes ist für Schausteller ein Kraftakt

Am Samstag beginnt die Kirmes-Saison beim Frühlingsfest in Kaldenkirchen. Seit der Wochenmitte bauen die Fahrgeschäfte und Budenbesitzer auf dem Marktplatz auf. Die Verdienstspanne wird immer kleiner.

Johannes Hoster ist mit seinem Team seit Mittwochmorgen dabei, auf dem Kaldenkirchener Marktplatz sein Fahrgeschäft, den "Dschungel-Express", aufzubauen. Mit drei Fahrzeugen und zwei Maschinen ist er in der Nacht von der Kirmes in Remscheid tief in den Westen gekommen, um sein Fahrgeschäft zur Frühkirmes aufzubauen. Seit mehr als 40 Jahren bereist er die Märkte, er ist Stammbesucher von Kaldenkirchen.

Früher habe er jährlich rund 30 Kirmesmärkte mit seinem Fahrgeschäft besucht, berichtet er. "Doch das rechnet sich nicht mehr. Seit einigen Jahren habe ich mein Programm auf maximal 20 Kirmesplätze reduziert", sagt er. Für den Viersener ist die Bestückung eines Kirmesmarktes mit seinem Dschungel-Express ein Hobby geworden. "Vom kaufmännischen Aspekt her gesehen, bräuchte kein Schausteller mehr zu kommen", sagt er.

Der Zauber, den ein Kirmesmarkt einst auf Kinder und Jugendliche ausübte, hat deutlich nachgelassen. Die Geschäfte müssen sich mit vielen anderen Formen der Zerstreuung messen. Und die Kosten sind hoch: Strom- und Platzkosten sowie die Bauabnahme, jeweils auf dem Markt und andere Ausgaben. Auch der stetig steigende Aufwand an Kraftstoff für die Lkw sei nicht zu unterschätzen, sagt Hoster. Der Transport des Geschäfts werde immer teurer. Rund 13 000 LED-Birnen tauchen den Dschungel-Express in das rechte Licht. "Es müssen zu jeder Kirmes die defekten Leuchten ausgewechselt werden", erklärt Johannes Hoster. "Eben habe ich eine Dose Fett geholt, um die einzelnen Teile einzuschmieren. Auch das geht richtig ins Geld, bei jeder zweiten Kirmes muss ich neue Dosen kaufen", rechnet er vor.

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Beim Aufbau sitzt jeder Handgriff. Wenn am Samstag um 14 Uhr die Kirmes offiziell eröffnet wird, finden die Fahrgäste den Dschungel-Express optimal vor. Er ist abgewaschen und gereinigt.

Auch Stephan Schrankel von Peter Holz' "Schnuppi"-Bude bringt mit einem Hochdruckreiniger die "Schnupp-Bude" zum Glänzen. Seit mehr als 30 Jahren ist Peter Holz in Kaldenkirchen als Schausteller zu Gast. Das gilt auch für den Kaldenkirchener "Hansi" Germann, der im vergangenen Jahr zum 50. Mal auf der Kirmes seines Heimatortes mit seinem "Gewinncenter" zu Gast war. "In meiner Losbude ist Gewinngarantie, ich habe keine Nieten", verspricht er. Auch seine Warenausgabe sei immer auf dem neuestem Stand. "Mit alten Sachen reißt man nichts mehr", gibt er zu.

Norbert Krawzyk fängt mit dem Aufbau seiner "Kinder-Schleife" gerade erst an. Über zwei Etagen bietet er Spaß und Vergnügen vor allem für die Kinder an. Harald Burker aus Viersen ist zum ersten Mal in Kaldenkirchen. An seiner Dart-"Bude" ist Pfeilwerfen angesagt. Auch beim Autoscooter des Schaustellerbetriebes Breuer und Söhne wird seit Mittwoch aufgebaut. Hier wird gebohrt, da werden noch die letzten Schrauben angezogen. Schweißtreibende, harte Arbeit, die gleichzeitig sorgsam gemacht werden muss. Bevor die einzelnen Scooter morgen auf ihre Fahrbahn gelangen, ist noch viel Arbeit angesagt. "Aber es macht uns ja allen Spaß. Das Wetter spielt eine sehr wichtige Rolle. Denn wenn es regnet, dann kommt niemand. Ist es aber heiß, kommt auch keiner, dann sind alle im Garten", sagen die Schausteller übereinstimmend und sind dennoch mit viel Herzblut dabei.

(ivb)