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Nettetal: Kino: Ärger trotz Twilight-Erfolg

Nettetal : Kino: Ärger trotz Twilight-Erfolg

Die Vampir-Saga ist auch im Kaldenkirchener Kino ein Erfolg. Die erste Vorstellung war bereits lang vorab ausverkauft. Grund zur Freude für Inhaber Helmut Töpfer. Er ärgert sich dennoch über die Vertragspolitik der Filmverleiher.

Das Twilight-Fieber hat auch das Corso Film Casino in Kaldenkirchen fest im Griff. Die Twilight-Doppelvorstellung am vergangenen Sonntag, in der der letzte Teil der Vampirfilmreihe zum ersten Mal gezeigt wurde, war bereits lang vorab ausverkauft. Dasselbe gilt für die nächste Doppelvorstellung, in der die beiden letzten Teile 4.1 und 4.2 nacheinander gezeigt werden, am kommenden Samstag.

"Wir haben deswegen noch eine Vorstellung für den ersten Dezember geplant." Offizieller Deutschlandstart von "Twilight 4.2. - Bis(s) zum Ende der Nacht" ist eigentlich erst morgen. "Solche Sondervorstellungen und Vorpremieren bieten uns die Verleihe zu Promotionzwecken an. Gut für uns, denn wir können den Film früher zeigen, müssen aber nicht die üblichen Auflagen berücksichtigen."

Denn für den regulären Spielplan sieht das anders aus. Der Start eines Films bedeutet für Helmut Töpfer automatisch meist, dass er auf einen anderen erfolgreichen Film verzichten muss. Besonders ärgerlich ist das momentan für ihn. Zwar wird die Twilight-Saga Helmut Töpfers Kinosaal relativ zuverlässig füllen. Doch genau da liegt auch das Problem.

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Das Corso Film Casino hat nur einen einzigen Saal. Der Constantin Film Verleih, wie auch die meisten anderen Verleiher, verpflichten Töpfer dazu, vor und nach den jeweiligen Vorstellungen ihrer Filme keine anderen zu zeigen. Für den Kaldenkirchener Kinobetreiber bedeutet das, dass er wegen des neuen Twilight-Films, den derzeitigen Kassenschlager, den neuesten Bond-Film Skyfall, nicht mehr zeigen darf. Und das obwohl dieser vergangene Woche bisher bereits drei Millionen Besucher ins Kino geholt hat — damit ist er momentan die unangefochtene Nummer eins. "Für große Kinos sind diese Vertragskonditionen kein Problem, denn die haben genug Säle. Die Verleiher differenzieren aber nicht nach groß und klein. Die Vorschriften sind immer dieselben, ob das Sinn macht oder nicht", kritisiert er. Töpfer plant, Skyfall im Dezember erneut zu zeigen.

Ein weiteres Beispiel: Der Verleih schreibt Töpfer auch vor, in der ersten Woche drei Vorstellungen täglich anzubieten, die erste spätestens 15 Uhr. "Zu der Zeit hab ich manchmal nur zwei Leute im Kino. Das lohnt sich nicht, aber ich will sie ja auch nicht nach Hause schicken", sagt er. Bei den Kosten die Heizung und Strom in seinem Kino verursachen würden, sei so eine Vorstellung aber nicht wirklich rentabel. Startet ein Film in seinem Kino, ist Töpfer außerdem dazu verpflichtet, ihn 21 Tage lang zu zeigen. In der Praxis bedeutet das oft, dass er nicht jeden Film zum Deutschlandstart zeigen kann. Die Kunden wunderten sich deshalb oft, warum das Corso Kino bei den Filmstarts scheinbar manchmal hinterher hinkt.

"Wenn es nach uns gehen würde, würden wir alle Filme, die wir starten nur 14 Tage spielen und dann einen neuen einsetzen, aber selbst dann könnten wir mit nur einem Saal nicht alle Filme spielen", erklärt Töpfer in einer Erklärung auf der Internetseite des Corso. Dazu kommt, dass nur etwa 450 bis 750 Kopien für 4300 Kinos in Deutschland verfügbar sind, wenn ein Film startet.

Das Corso Film Casino nutzt, wie viele andere kleine Kinos auch, nach wie vor 35-Millimeter-Projektoren. "Aber es werden immer weniger Kopien auf Filmrolle angeboten. Spätestens übernächstes Jahr wird es keine mehr geben", erklärt der Kinobetreiber.

Das Corso muss deshalb auf Digital umstellen. Die Kosten für die Server, eine neue Silberleinwand und einen neuen Projektor schätzt Töpfer auf 70 000 Euro. Gut 50 Prozent davon finanziert die Filmstiftung NRW aus einem Fördertopf, in den alle Kinos einzahlen. Das dient der Förderung der kleinen Kinos. Wenn es soweit ist, wird das Corso auch 3D-Filme zeigen können.

(RP/rl/top)