Kinder fertigen im Textilmuseum "Die Scheune" in Nettetal eigene Puppen

Hinsbeck : Kinder fertigen im Textilmuseum eigene Puppen in Handarbeit

Selber die Schwinge bedienen, einen Webstuhl bauen und eine Puppe herstellen — in der Flax-Ferienfreizeit ist das alles und Vieles mehr möglich.

Kinderaugen leuchten, als Barbara Schmidt eine Puppe aus ihrer Tasche holt. Die sei aber niedlich, lautet ein erster Kommentar. Die ehrenamtliche Mitarbeiterin des Textilmuseums „Die Scheune“ in Hinsbeck kann dem nur zustimmen. „Und genau eine solche Puppe stellen wir jetzt her“, sagt sie. Die Kinder um sie herum machen ungläubige Gesichter – aber in der Flax-Ferienfreizeit im Textilmuseum lernen sie spielerisch den Umgang mit Stoffen.

Schmidt erklärt genau, wie die Puppe aufgebaut ist und welche Arbeitsschritte dafür nötig sind. Das Material liegt schon auf dem Tisch in dem gemütlichen Museumsraum bereit: dicke Wollstränge, Holzkugeln mit einem Loch, Farbstifte, bunte Stoffe und Nähutensilien. Es geht mit dem Flechten der Wollstränge los. Dass dies gar nicht so einfach ist, muss Alexander feststellen. Aber dafür gibt es schließlich die fachliche Hilfe: Er darf den Wollstrang festhalten, während Schmidt das Flechten Stück für Stück langsam demonstriert. Dann ist Alexander an der Reihe. „Den linken Strang in die Mitte legen, dann den rechten in die Mitte“, gibt Schmidt vor. Langsam aber sicher wächst der Wollzopf. Zwei sind notwendig, damit später Arme, Beine und Körper der Puppe entstehen können.

Amelie hat ihre beiden Wollzöpfe schon fertig geflochten und erfährt, wie sie verknotet werden und aus dem Rest der ungeflochtenen Partie die Haare der Puppe entstehen. Dafür muss die Wolle einfach nur durch das Loch in der Holzkugel gezogen werden. Die ersten Kinder beginnen mit dem Aufmalen des Gesichts auf der Holzkugel. Wimpern, Kulleraugen, knallrote Münder und niedliche kleine Nasen entstehen. Aber nicht nur das Basteln an sich steht derzeit bei der Flax-Ferienzeit im Mittelpunkt.

Acht Kinder im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren erfahren, wie aus Flachs Leinen entsteht, wie ein Webstuhl funktioniert und was man alles aus Stoff und Wolle herstellen kann. „Uns ist es wichtig, unseren jungen Teilnehmern auch zu zeigen, wie früher gearbeitet wurde und welchen Wert Kleidung hatte, weil die Herstellung per Hand immens aufwendig war“, sagt Susanne Ciernioch, Leiterin des Textilmuseums. Wie wissbegierig die Kinder sind, zeigt sich bei der Präsentation von Hans Willi Lersmacher. Der Diplom-Ingenieur lädt zur Reise vom Flachs zum Leinen ein. Schon beim Griff zum Glas, in dem die Flachssaat zu sehen ist, blicken die Zuhörer neugierig. Spannend wird es, als die Kinder selbst an die Riffel dürfen, um die Samenkapseln vom Flachsstengel zu trennen. Danach probieren sie das Brechen, Schwingen und Hecheln des Flachses aus. Sie erfahren, wie sie Schwinge und Riffel benutzen. Dass sich die Flachsfasern ohne ihre hölzernen Bestandteile weich anfühlen, lässt so manches Kind Staunen. Eine Handspindel in Betrieb erleben, selber einmal am Webstuhl sitzen und sogar einen Miniwebstuhl aus zwei Hölzern und Wolle bauen, um daran zu weben – Langeweile ist in der Scheune ein Fremdwort.

(tre)
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