Kinder bauen Pfeil und Bogen auf dem Naturschutzhof Nettetal im Sassenfeld

Sommerferienaktion : Kinder bauen Pfeil und Bogen in Handarbeit

Auf dem Nabu-Naturschutzhof zeigte Bogenbaumeister Devid Hörnchen mit seiner mobilen Werkstatt, wie das geht. Die Veranstaltung war Teil des Kulturrucksacks NRW im Programm der Stadtbücherei.

Sorgfältig legt Sophie das schmale Lederstück entlang der Kante auf das Holzbrett. Es ragt ein wenig über die Begrenzung, die 16 Zentimeter ankündigt, heraus. „Den Überschuss mit der Naht schneidest du nun sorgfältig ab“, erklärt Devid Hörnchen und reicht ihr einen Metallwinkel zum Anlegen. Sophie setzt das Cuttermesser, das zu den Werkzeugen gehört, die auf den Tischen liegen, an und zieht es vorsichtig entlang der Metallkante. Ein pielgrader Schnitt entsteht und das Lederstück für die erste Tasche in Sachen Bogenbau ist fertig.

Aber nicht nur sie hantiert mit Metallwinkel, Leder und Cuttermesser. Insgesamt zehn Kinder und Jugendliche im Alter von zehn bis 14 Jahren sind allesamt mit der Herstellung der Taschen beschäftigt. Auf dem Naturschutzhof des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) in Lobberich steht der Bogenbau im Mittelpunkt und für den werden zwei kleine Ledertaschen benötigt. Unter den Bäumen im hinteren Teil der Anlage hat der Bogenbaumeister aus Schleiden in der Eifel die Werkstische mit den Schraubstöcken samt weiterem Arbeitsmaterial aufgebaut.

Im Rahmen des Kulturrucksacks Nordrhein-Westfalen hat die Stadtbücherei Nettetal zu dem Angebot eingeladen. „Wir suchen immer nach neuen interessanten Workshops. Als ich den professionellen Bogenbauer Devid Hörnchen kennenlernte, der unter anderem für Sportschützen Bögen baut, habe ich ihn angesprochen, ob wir ihn für einen Workshop gewinnen könnten“, erinnert sich Andrea Küppers-Hermsen. Es klappte, und so wird nun gebaut, wobei „wir die Rohlinge für die Bögen fertig mitgebracht haben. Die Griffe und Tips, wie die Enden heißen, müssen noch gestaltet werden“, sagt Devid Hörnchen.

Marlon ist erstaunt, dass der Bogen genauso groß ist, wie er selbst, nämlich 1,50 Meter. Das sei wie früher bei den Rittern, erklärt der Fachmann. Da seien die Bögen ebenfalls mannshoch gebaut worden. An den Tischen haben die jungen Workshop-Teilnehmer inzwischen mit den Lochzangen je vier Löcher in einem vorgegebenen Abstand in die Lederstreifen gestanzt, und es geht an das Verknoten der Schnur an den Lederstücken. Keine einfache Sache, auch wenn Devid Hörnchen und seine Frau Bernadette das langsam vormachen und zudem ein Knotenmodell auf dem Tisch liegt. Aber mit Hilfe der beiden schaffen es alle.

Wie der Bogen mittels Fußeinsatz gespannt wird, wie die Sehnen eingesetzt werden – Stück für Stück nähern sich die Workshop-Teilnehmer der Fertigstellung. Aber nicht nur das Bauen der Bögen an sich steht auf dem Programm. Devid Hörnchen zeigt auch, wie die dazugehörigen Pfeile aus Fichtenholz gebaut werden – mit echten Truthahnfedern und Pfeilspitzen. Erste Anleitungen in der Kunst des Bogenschießens folgen. Schließlich möchte ein jeder der Teilnehmer das fertige Werk nicht nur testen, sondern den richtigen Umgang mit dem selbstgebauten Bogen üben.

(tre)
Mehr von RP ONLINE