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Nettetal: Kind des Kalten Krieges

Nettetal : Kind des Kalten Krieges

Der Malteser Hilfsdienst Nettetal feiert am Sonntag sein 50-jähriges Bestehen. Er wurde 1961 als Organisation im Katastrophenschutz gegründet. Längst hat der Sozialverband eine Fülle von ganz anderen Aufgaben übernommen.

Nach ihrer Flucht aus Schlesien in den Westen Deutschlands lebte Helene Gräfin Siersdorpff in Lobberich-Bocholt. Mitglieder der Familie gehörten traditionell dem Malteser Ritterorden an. "Sie hat damals den Impuls gegeben, der zur Gründung des Malteser Hilfsdienstes in Lobberich führte", erinnert sich Stadtbeauftragter Willi Pollmanns. Das ist jetzt 50 Jahre her. Der MHD feiert am Wochenende dieses Jubiläum.

Längst sind die Malteser keine Lobbericher Institution mehr. 1961 gegründet, dehnten sie mit der Neugliederung 1970 ihre Arbeit über das gesamte Stadtgebiet aus. Geändert hat sich seither zwar die Aufgabenstellung, aber die Grundzüge des Jahres 1961 sind im Kern bis heute erhalten geblieben sind, unterstreicht Pollmanns.

Der "Kalte Krieg" verunsicherte in den Gründungsjahren die Menschen. Die Furcht vor einem erneuten Krieg — das Ende des Zweiten Weltkriegs lag gerade mal 16 Jahre zurück — mit Atomschlägen und anderen Grausamkeiten war auch in Lobberich allgegenwärtig. Die Malteser konzentrierten sich deswegen zunächst auf den Katastrophenschutz, den Bund und Land damals intensiv förderten. "Anfangs erhielten wir alle ein paar Gummistiefel, später auch Regenumhänge", erinnert sich Pollmanns schmunzelnd. Er war 1963 Mitglied geworden. Bei der Gründung war er noch zu jung.

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Bis heute Sozialverband

Das "Standbein Katastrophenschutz" hat der MHD in seinem Aufgabenpaket als Sozialverband behalten. Denn damals wie heute bildet er Menschen aus in Erster Hilfe, er fördert die gesamte sozialpflegerische Ausbildung, viele Schwesternhelferinnen haben im Lauf von fünf Jahrzehnten die "MHD-Schule" durchlaufen.

Ergänzt und erweitert haben die Malteser ihr Engagement mit dem Mahlzeitendienst, Krankentransport, Behindertenfahrdienst und dem Hausnotruf. Eingestiegen ist der Verband außerdem in die Betreuung: Diese Aufgabe erfüllt der MHD im neuen Wohnhaus an der Färberstraße, hinter dem Amtsgericht in Lobberich.

Mehr als 80 Kinder und Jugendliche hat der Malteser Hilfsdienst inzwischen für sich gewonnen. Die Ausbildung und Gewinnung von Nachwuchs stehen im Mittelpunkt. Das gilt auch für den Schulsanitätsdienst, den der MHD in diesem Jahr auf die Gesamtschule ausgedehnt hat. Das habe auch eine Menge mit Gewaltprävention und Wertevermittlung zu tun, unterstreicht Pollmanns. Froh sei er dann auch noch, wenn "irgendwo noch ein Kreuz hängt". Die ursprünglich katholischen Wurzeln eines christlichen Verbandes bleiben gewahrt. So beteten die Helfer beispielsweise seinerzeit vor dem Konzert mit Nena in Nettetal gemeinsam vor ihrem Einsatz.

(RP/rl)