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Nettetal: Keine Ruhe im Bürgerbüro

Nettetal : Keine Ruhe im Bürgerbüro

Der Sozialausschuss wirft dem Ersten Beigeordneten Armin Schönfelder vor, die Neubesetzung der Gemeinwesenarbeit in Speckerfeld unnötig zu verschleppen. Die schärfsten Kritiker sitzen in der CDU-Fraktion

Knapp drei Wochen nach dem Ausscheiden von Ute Clevers aus dem Bürgerbüro in Breyell-Speckerfeld ist die Stelle unbesetzt. Das löste im Sozialausschuss zum Teil heftige Kritik an der Verwaltung aus. Sie gipfelte in dem Vorwurf von Holger Michels (CDU), die verwaltung wolle die Arbeit in Speckerfeld durch Untätigkeit und Verschleppungstaktik "austrocknen".

Ursprünglich sollte die professionell begleitete Gemeinwesenarbeit bis zum 30. Oktober 2011 schrittweise in eine rein ehrenamtliche Struktur überführt werden. Als aber ehrenamtlich tätige Bürger darauf hinwiesen, damit seien sie hoffnungslos überfordert, und drohten, ihre Tätigkeit einzustellen, nahm die Stadt den Plan zurück. Der Rat beschloss, die Arbeit fortzusetzen.

Träger winken ab

Dass der erwartete nahtlose Übergang misslungen ist, begründete Sozialdezernent Armin Schönfelder damit, dass das Konzept fertig sei. Es solle aber mit der Arbeit des Jugendamtes/Familienbüros verknüpft werden. Das nehme erst am 1. Januar die Arbeit auf. Außerdem wolle die Stadt die Stelle ausschreiben, um möglichst viele Träger anzusprechen. Eine Übergangslösung für den Rest des Jahres sei daran gescheitert, dass sowohl die Diakonie, die mit der Stadt und dem Kreis die Gemeinwesenarbeit betrieb, als auch ein anderer Träger abgewunken hatten. Gemeinwesenarbeit sei Beziehungsarbeit, die nicht für ein paar Monate gemacht und dann anderen übertragen werden könne.

Die Fraktionen zeigten sich davon nicht überzeugt. Sie beriefen sich auf ein Schreiben der Diakonie an den Ersten Beigeordneten, aus dem hervorgeht, dass ihr die ursprünglich geplante Aufgabe der professionellen Begleitung zu früh erschien. Außerdem zweifelt die Diakonie den Sinn einer Ausschreibung an, während noch an einem Konzept gebastelt wird. Ute Clevers, die der Sitzung als Gast beiwohnte, berichtete, die Diakonie habe tatsächlich versucht, eine Lösung zu finden. Aber dies sei wegen unter den gegebenen Umständennicht möglich.

Sehr ungnädig reagierte der sozialpolitische Sprecher der CDU, Willi Pollmanns, vorher schon auf den Versuch Schönfelders, eine Debatte mit dem Argument zu verhindern, dass der Sozialausschuss gar nicht zuständig sei. "Wir sind zuständig und wollen hier mitreden", erklärte Pollmanns scharf. Er rügte ebenso wie SPD-Sprecherin Karin Bank, es sei der Verwaltung seit Mai nicht gelungen, den Übergang zu schaffen. Breyells Ortsvorsteher Hans-Hubert Glock berichtete, die ehrenamtlichen Kräfte bekämen Angst, den Bewohnern fehle der Ansprechpartner. "Wir warten seit vier Monaten, dass die Verwaltung in die Pötte kommt."

Schönfelder wies die Vorwürfe als "happig" zurück, eine Mitarbeiterin der Verwaltung sei mit 15 Wochenstunden in Speckerfeld tätig, um das Loch zu stopfen. KOMMENTAR/FRAGE DES TAGES

(RP)