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Nettetal: Kein Spielraum beim Strom

Nettetal : Kein Spielraum beim Strom

Die Preise werden im kommenden Jahr um etwa zehn Prozent steigen. Die kommunalen Energieversorger sehen kaum Möglichkeiten, den Anstieg abzumildern. Auf die EEG-Umlage kommt auch noch die Mehrwertsteuer.

Auch die Stromkunden der kommunalen Versorger werden demnächst tiefer in die Tasche greifen müssen. "Es gibt kaum einen Spielraum", sagt Harald Rothen, Prokurist der Stadtwerke Nettetal. Er fürchtet, dass die Verbraucher sogar mehr als durchschnittlich 60 Euro für eine Familie im kommenden Jahr bezahlen müssen. Die NEW halten sich noch bedeckt und wollen sich erst Ende des Monats äußern. "Im Augenblick laufen im Haus die Kalkulationen", so Pressesprecherin Christina Achtnich am Dienstag. Ab 1. Januar 2013 steigt die im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgelegte Umlage auf 5,277 Cent je Kilowattstunde (kWh). Diese Umlage finanziert die Produktion von Ökostrom. Kontrovers diskutiert wird augenblicklich nicht nur diese Sonderumlage, sondern auch, dass zahlreiche Unternehmen von dieser Umlage befreit worden sind. Diese Subventionen werden ebenfalls auf die Verbraucher und kleinere Betriebe umgelegt.

Martina Maaßen sieht die Verbraucher als Opfer.

Genervt reagierte Rothen am Dienstag darauf, dass Bundesumweltminister Peter Altmaier darauf hingewiesen hat, der Energiekonzern RWE werde die Erhöhung der Umlage nicht weitergeben. Er hoffe, dass dies ein Signale für andere Unternehmen sei. "Verschwiegen wird, dass RWE bereits zum 1. August die Preise um brutto 1,78 Cent erhöht hat", sagte Rothen. Er wolle damit aber nicht behaupten, der Konzern habe die Umlagenerhöhung schon vorweggenommen.

Der Stadtwerke-Prokurist weist darauf hin, dass zu den 60 Euro, die eine Familie jährlich mehr für den Strom zahlen müsse, noch 19 Prozent Mehrwertsteuer kämen. Die Erhöhung beliefe sich damit auf knapp 6,3 Cent. Er rechne auch mit steigenden Netzentgelten (die sogenannte Paragraf-19-Umlage), die auf die Erhöhung noch draufgesattelt werde. Eine weitere Steigerung sei für die Aufschläge für die Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) ebenfalls zu befürchten. Rothen fuchst, dass diese Veränderungen wiederum wohl erst spät, "quasi im Schweinsgalopp" im Dezember festgelegt werden, sodass die Stromversorger enorm unter Zeitdruck gerieten, um ihre Preise zu kalkulieren und die Kunden zu informieren. Insgesamt dürfte die Stromrechnung im kommenden Jahr um etwa zehn Prozent steigen. Darin sind sich Energieversorger und Vergleichsportale wie Verivox einig.

"Wir geben solche Preise nicht gerne weiter, aber es gibt keinen Puffer, mit dem wir die Entwicklung abmildern könnten", fürchtet Rothen. Dass Minister Altmaier Abhilfe mit Energieberatung schaffen will, amüsiert Stadtwerke wie NEW gleichermaßen. Beide Unternehmen bieten ihren Kunden seit Jahren schon diese Leistungen kostenlos an.

(RP/ac)