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Nettetal: Kein Kuchen mehr im Café Künstler

Nettetal : Kein Kuchen mehr im Café Künstler

Margret Künstler hat vor 16 Jahren in Oirlich ihr Bauerncafé eröffnet. Jetzt schließt sie am Fronleichnamstag aus Altersgründen das von Wanderern und vor allem Gästen aus dem weiten Umland geliebte Ausflugslokal.

Sie ist eine Oma wie aus dem Bilderbuch: freundlich, mit hellen Augen hinter der Brille, ein paar Lachfältchen im rundlichen Gesicht, eine kleine weißblonde Strähne hat sich aus der adretten Frisur auf die Stirn gemogelt. So kennen, so mögen ihre Gäste Margret Künstler aus Oirlich. Doch die Oma macht Feierabend und kündigt an: "Ich schließe das Café Künstler, an Fronleichnam ist der letzte Tag."

Unzählige Ausflügler hielten Einkehr in dem beliebten Bauerncafé in Oirlich inmitten von Wiesen und Weiden am Hang der Hinsbecker Höhen. Sie gingen durch die kleine Tür im großen Holztor, nahmen bei schönem Wetter Platz auf den Gartenstühlen im Hof, saßen sonst drinnen in einem Gastraum wie anno dazumal. Gemütlich und altmodisch war es. Und das war gewollt. "Es sollte halt aussehen wie bei Oma früher zu Hause im Wohnzimmer", meint Margret Künstler und zeigt in ihr Café.

Da grüßt der geschnitzte Holzkopf von der Wand, ticken die Zeiger der unvermeidlichen Vitrinenuhr, bringen geblümte Tischdecken Farbtupfer auf die dunklen Holztische. Darauf stehen die Teller mit großen cremigen Kalorienbomben: "Unsere Gäste wollen am liebsten Sahnetorten, Blechkuchen geht fast gar nicht", erklärt Margret Künstler und fügt hinzu: "Das hätte ich am Anfang so auch nicht gedacht."

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Dieser Anfang liegt nun 16 Jahre zurück. Bis dahin arbeitete Margret Künstler in der Großküche des nahen Marienheims. "Da habe ich viel von den Ordensschwestern gelernt, das kam mir dann zugute", erinnert sie sich. Denn als die Eltern ihres Mannes Hans-Willi gestorben waren, stand die Frage an: Was wird auf dem Bauernhof? Die damals 48-Jährige hatte nach 18 Jahren Küchenarbeit das Gefühl, es müsse "irgendwie mal was Neues kommen im Leben".

Wagte schließlich den Schritt, ein Café zu eröffnen: "Ich dachte, Kuchen kann ich, mit Leuten umgehen macht mir Spaß, ein Gebäude haben wir, warum also nicht?" So wurde der Bauernhof gleichsam umgewidmet: "Den Kuhstall haben wir zum Café-Raum umgebaut." Als alles fertig war, konnten die Gäste kommen. Sie kamen jedoch zunächst zögerlich: "Am Eröffnungstag war der Besuch eher mau", erinnert sich Margret Künstler. "Aber bald hatten wir erste Stammgäste. Manche kommen bis heute, wenige aus Hinsbeck, viele von weit her, sogar aus Düsseldorf oder Holland."

Was ihre Gäste schätzen, ist neben dem Kuchen der Plausch. Die Oma aus Oirlich erzählt gern und hört gut zu, sie lacht und gestikuliert viel: "Da waren so nette Gespräche, ach, überhaupt danke ich den lieben Kunden für alles." Ein "bisschen Wehmut" begleite die anstehende Schließung, gibt Margret Künstler zu. Sie stellt aber klar: "Mein Mann ich hatten 16 Jahre lang kein freies Wochenende. Ich bin jetzt 64, irgendwann müssen wir auch mal an uns denken."

Ein weiterer Grund für das nun in Riesenschritten nahende Aus: "Das Café ist ein Familienbetrieb, an vollen Tagen haben alle mitgeholfen", sagt Margret Künstler. Von den drei Kindern indes möchte keins das Café weiterführen, das auch "nicht in fremde Hände kommen" soll. Was aus dem Gastraum wird, will Margret Künstler "in Ruhe überlegen". Einen Teil ihrer bald freien Zeit freilich hat sie schon verplant: "Ich habe schließlich fünf Enkel, das sechste ist unterwegs", sagt die Oma aus Oirlich. FRAGE DES TAGES

(RP/rl)