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Nettetal: Kaufhaus wird zur Ruine

Nettetal : Kaufhaus wird zur Ruine

Vor mehr als drei Jahren musste das Hertie-Kaufhaus in Lobberich schließen. Seither gammelt das Gebäude vor sich hin. Unkraut wuchert aus allen Ritzen, es regnet hinein. Vermutlich wird der Komplex zwangsversteigert.

An der Auffahrt zum Parkdeck blüht eine herrliche Königskerze mit unzähligen gelben Blütenständen. Die Natur erobert sich Stück für Stück aus bröckelndem Beton zurück, was ihr vor Jahrzehnten an dieser Stelle entrissen wurde. Denn hier stand ein Bauernhof, ehe Karstadt 1977 ein Kaufhaus errichtete, das zuletzt den Namen Hertie trug. Hertie ging vor drei Jahren in Konkurs, seitdem steht das Haus leer. Sein Schicksal ist ungewiss, vielleicht wird es versteigert.

Das ehemalige Kaufhaus legt sich wie ein dunkler Schatten auf Lobberichs Zentrum. Die wenige Meter entfernte Ludbach-Passage zieht Kunden von außerhalb an. Einige Geschäfte darin entwickeln sich zu Magneten. Das vorgelagerte ehemalige Astra-Kino, das einer Weiterentwicklung noch im Weg liegt, wird demnächst abgerissen und durch ein Wohn- und Geschäftshaus ersetzt. Auf dem früheren Gelände des Bongartzstifts errichtet die Baugesellschaft Nettetal AG zurzeit ein großzügiges Wohn- und Geschäftshaus, die Stadt bringt die Fußgängerzone auf Vordermann.

Ortsvorsteher wird ungeduldig

Nur für das Hertie-Kaufhaus am Ende der von-Bocholtz-Straße gibt es keine Lösung. Ortsvorsteher Harald Post gibt offen zu, dass er allmählich ungeduldig wird. Er weiß, dass die Stadt keinen Einfluss auf die Besitzer ausüben kann. Die Bank BNP Paribas Real Estate hat einige der kleinen und mittleren Häuser verkauft — das in Nettetal blieb wie etliche andere im Regal liegen. In der Stadt gab es auch schon Überlegungen, wie man das Gebäude irgendwie wieder nutzen könnte, aber verworrene Besitzverhältnisse schrecken jeden Investor von vornherein ab.

So gammelt das Gebäude seit drei Jahren vor sich hin. Die Stadt musste bereits einen Kammerjäger mit der Jagd auf Ratten beauftragen, die sich hier eingenistet haben. Das Bild von Vernachlässigung, gegen das die Stadt nur bedingt etwas unternehmen kann, ärgert Ortsvorsteher Harald Post sehr. Dass in und mit dem Gebäude noch etwas anzufangen wäre, glaubt er nicht. "Es regnet bereits hinein. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es eine Lösung mit dem Gebäude geben wird", meint er. Die Stadtverwaltung selbst hält sich zurück. Sie wartet augenblicklich auf ein Wertgutachten für das Haus, das im Juni in Auftrag gegeben wurde. Es wäre die Grundlage für eine mögliche Zwangsversteigerung, die allseits erwartet wird.

Der Name Hertie wird dagegen wieder für ein Kaufhaus stehen — im Internet. Zwei Unternehmer aus Osnabrück haben nach Medienberichten den Namen Hertie aus der Insolvenzmasse herausgekauft. Sie betreiben nach eigenen Angaben mehr als 20 Onlineshops mit unterschiedlichen Sortimenten. Starten soll das virtuelle Hertie-Kaufhaus zur Jahreswende.

(RP)