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Viersen: Kartoffel-Kartell: Bauern im Kreis betroffen

Viersen : Kartoffel-Kartell: Bauern im Kreis betroffen

Mit Anspannung beobachten Erzeuger, Abpacker und Vermarkter im Kreis Viersen die Enthüllungen zum Kartoffel-Kartell. Einige Landwirte haben ihre Knollen an den angeblich durchsuchten Händler in Mönchengladbach geliefert.

Eigentlich könnten die Kartoffel-Bauern der Region guten Mutes in die Saison gehen: Die ersten frühen Knollen sind zwar auf Grund des kalten Frühjahrs zwei Wochen später dran als üblich, aber die Preise fürs Kilogramm liegen bei zufriedenstellenden 30 Cent. Eitel Sonnenschein herrscht trotzdem nicht, denn die Enthüllungen über illegale Preisabsprachen eines möglichen Kartells versetzen die Knollen-Branche in Unruhe. Die Absprachen sollen zwischen Händlern und Abpackern auf der einen und dem Lebensmittelhandel auf der anderen Seite getroffen worden sein.

Zu den Größen der Kartoffelbranche im Kreis Viersen gehört die Firma Weuthen. Der Schwalmtaler Agrarhandel sieht sich von dem Kartoffel-Kartell nicht betroffen. "Wir liefern nicht an den Lebensmittelhandel, sondern an Betriebe, die Kartoffeln zu Pommes Frites und Chips verarbeiten", sagt Geschäftsführer Ferdi Buffen.

Bernd Fitzen dagegen ist Landwirt und sieht den Skandal mit anderen Augen: "Das ist eine Sauerei. Das schadet uns", schimpft Bernd Fitzen. Der Landwirt aus Dülken ist selbst nicht direkt betroffen, weil er vor allem Veredelungskartoffeln zur Herstellung von Pommes Frites anbaut. "Wir Erzeuger sind immer das letzte Glied in der Kette. Solche Skandale wirken sich leicht auf die Preise aus."

Zu den Landwirten, die an jenen Mönchengladbacher Händler geliefert haben, der laut Medienberichten vom Bundeskartellamt untersucht worden sein soll, gehört Bernd Drößer. Der Landwirt aus Viersen baut rund 4800 Tonnen Kartoffeln im Jahr an. Der Viersener Landwirt selbst hat keine Klagen. Das Unternehmen halte sich an die Preisnotierungen, die die Händler und die Rheinische Erzeugergemeinschaft Kartoffeln, Reka Rheinland, verhandeln. Allerdings sei es schwierig, Einblicke in die Abläufe zu bekommen.

Tatsächlich ist die Branche mit Erzeugern, Abpackbetrieben, Vermarkten, Erzeugungsgemeinschaften unübersichtlich. Zu den ganz normalen Amtshandlungen der Reka Rheinland gehören zum Beispiel die freitäglichen Preisnotierungen. Einmal pro Woche kommt bei der Reka ein Gremium zusammen, das paritätisch mit Erzeugern und Händlern besetzt ist, um den aktuellen Marktpreis auszuhandeln. Sowohl die Firma Weuthen als auch das Mönchengladbacher Unternehmen sind dabei.

"Wir orientieren uns am Bedarf des Marktes und sprechen dann Preisempfehlungen aus", sagt Martin Dahmen von der Reka. Er kann sich aber nicht vorstellen, dass es Preisabsprachen zwischen Abpackern und Lebensmittel-Einzelhandel gegeben hat. "Es gibt ein klares Preisdiktat des Einzelhandels", sagt Dahmen.

NRW gehört nach Niedersachsen und Bayern zu den großen Kartoffelanbaugebieten. Die sandigen, warmen Böden am Niederrhein eignen sich gut für eine Spezialisierung auf die liebste Knolle der Deutschen, erklärt Kreislandwirt Paul-Christian Küskens.

Wirklich überrascht ist er von dem Skandal nicht. "Natürlich ist es verboten, aber wenn ich mir zum Beispiel die Preise an den Tankstellen anschaue... Da wundere ich mich über nichts."

Hier geht es zur Infostrecke: EU-Kommission: Die zehn höchsten Kartellstrafen

(RP/ac)