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Nettetal: Kaplan liest Messe in polnischer Sprache

Nettetal : Kaplan liest Messe in polnischer Sprache

Marek Bednarski kommt seit neun Jahren nach Nettetal. Seminaristen nehmen priesterliche Aufgaben in der GdG wahr.

Kaplan Marek Bednarski kam ein paar Minuten zu spät zum Gottesdienst in die Breyeller Pfarrkirche St. Lambertus. Er entschuldigte sich in polnischer Sprache und berichtete, er habe noch die Beichte abgenommen. Die rund hundert Besucher der Heiligen Messe waren darüber nicht verwundert und verstanden jedes Wort. Bednarski las eine Messe in polnischer Sprache für Landsleute, die in Nettetal und Umgebung leben — dauerhaft oder in Zeitarbeit. Die Verspätung nahmen sie gelassen auf und lächelten ihrem "Marek" freundlich zu.

In Polen, so sagt Marek Bednarski später im Gespräch mit der Rheinischen Post, habe das Sakrament der Buße noch einen hohen Stellenwert. "Das bleibt, das hat sich festgesetzt", bekräftigt der Kaplan. Die Zahl der Kirchgänger in Polen sei überhaupt um etwa 35 Prozent höher als in Deutschland. "Die Polen sind sentimentaler, sie suchen den gemeinschaftlichen Kontakt zu Gott. Die Menschen erwarten mehr im Sinne des Glaubens von der Kirche", sagt er. "Ob sie alle gläubig sind, weiß aber nur Gott", fügt er lächelnd hinzu. Die kirchlichen Begegnungen in Polen seien intensiver, denn "die Polen gehen gerne in die Kirche".

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In Nettetal wird Bednarski von den Menschen immer wieder herzlich aufgenommen. Er hat in der Stadt viele Freunde gefunden. Breyells Pfarrer Günter Puts begrüßt seinen polnischen Kollegen stets mit einem "vitam serdecznie" (herzlich willkommen). Im nächsten Jahr können er und der polnische Diakon auf ein kleines Jubiläum zurückschauen, denn seit neun Jahren versieht Kaplan Marek Bednarski die Vertretungsdienste in der Gemeinschaft der Gemeinden (GdG) in Nettetal. Er nimmt in den Pfarrgemeinden St. Lambertus Breyell, St. Anna Schaag und St. Peter und Paul Leutherheide während der Urlaubszeit seelsorgerische und Messdieneraufgaben wahr.

Jährlich fahren seitdem etliche Nettetaler in die Partnerstadt Elk, um an den Feierlichkeiten zur Priesterweihe und Primiz der Seminaristen teilzunehmen Der Kontakt zum Priesterseminar in Elk, der polnischen Partnerstadt von Nettetal, entstand im Jahre 2003, als Pfarrer Günter Puts den persönlichen Kontakt dort suchte und aufnahm. Seither habe aber auch in Polen deutlich erkennbar der demografische Wandel mit negativen Erscheinungen Einzug gehalten, berichtet Bednarski. "Früher waren 15 Seminaristen im Priesterseminar, in diesem Jahr sind es nur noch neun", bedauert er.

Er studiert zurzeit in Rom Hebräisch und Altgriechisch, vor fünf Jahren promovierte er bereits. In zwei Jahren kehrt er, nach Abschluss seines Studiums, nach Elk zurück. Er wird dort am Priesterseminar tätig sein. "Ich habe zwei Päpste erlebt, ich wohne fünf Gehminuten vom Petersplatz entfernt", berichtet Bednarski, und kann sich besonders an das letzte Jahr erinnern, als über die Nachfolge von Papst Benedikt beraten wurde. "Ich habe ständig nachgeschaut, ob weißer Rauch aufsteigt", sagt er. Ihm ist heute noch die Begeisterung anzumerken, Zeitzeuge gewesen zu sein. In Italien sei das Leben anders. "Essen ist dort wie Liturgie feiern, eben Dolce vita", sagt er schmunzelnd. Wenn er nach seinem Aufenthalt zurückfährt, werden ihn viele Nettetaler sowie die polnischen Bürger vermissen. "Wenn es klappt, komme ich im nächsten Jahr wieder", verspricht er. FRAGE DES TAGES

(ivb)