Nettetal Kalte Kreationen am Eisfenster

Nettetal · Ulrike und Marcel Seeger haben in Lobberich einer Tradition neues Leben eingehaucht.In ihrem Café am Kreis verkaufen sie kugelweise hausgemachte Spezialitäten im Waffelhörnchen.

Eine cremig-weiße Masse quillt aus der Edelstahlmaschine. Mit einem Spachtel streicht Eis-Konditor Marcel Seeger seine kühle Kreation in der Metallkassette glatt und hebt dabei frisches Himbeerpüree unter. Die Eisproduktion im Café Seeger ist Handarbeit. "Wir kombinieren dabei alte Familienrezepte mit neuen Ideen", sagt Ulrike Seeger. "Früher war Eis wesentlich fetter. Heute muss es einen zarten Schmelz haben und dabei locker und leicht schmecken."

Stadtbekannt in den 60er Jahren

Gemeinsam mit ihrem Mann hat sie eine Tradition des Hauses neu belebt. "In den 60er Jahren war unser Eisfenster stadtbekannt." Doch das alte Haus ist längst abgerissen und in der neuen Konditorei gab es zwar ein Fenster, aber kein Eis mehr. "Im vergangenen Jahr ist uns bei einer Tasse Kaffee auf der Terrasse der Gedanke gekommen, die Eisproduktion wieder anlaufen zu lassen." Also haben die Seegers ihr Café umgebaut und nun das Eisfenster erstmals wieder geöffnet.

"Am Samstag standen bereits die ersten Kunden davor und wollten probieren. Einige haben sogar alte Fotos mitgebracht, die sie als Kinder vor unserem damaligen Eisfenster zeigen", berichtet Ulrike Seeger. Ihr ist es wichtig, die Kunden, die ihre gefrorenen Spezialitäten jahrzehntelang in Erinnerung behalten haben, nicht zu enttäuschen. "Wir verwenden nur natürliche Zutaten und verzichten bewusst auf Farbstoffe und Aromen."

Im Kühlraum im Keller warten frische Erdbeeren aus der Region, Wald- und Himbeeren auf ihre Weiterverarbeitung. "Wenn wir Zitroneneis machen, pressen wir etwa 50 Früchte aus", verrät die Café-Chefin. Zu den Spezialitäten ihres Haues gehört neben der Champagner-Trüffel-Kreation vor allem das Black Mamba. Der Saft von Amarenakirschen verleiht dem Vanilleeis eine tiefschwarze Farbe, Knusperstreusel sorgen für einen prickelnden Genuss. Die kleinen Kunden begeistert besonders Dong King Kong. In der Bananen-Karamell-Masse verstecken sich kleine Schoko-Äffchen. "Viele kennen die Figur von Computer-Spielen."

Die 13 verschiedenen Spezialitäten in der Auslage werden im Laufe des Sommers ständig variieren. "Wenn es etwas kühler ist, mögen die meisten lieber cremige Sorten, wenn es heiß ist, darf es für viele gerne etwas fruchtiger sein", sagt Ulrike Seeger. Sie könnte sich vorstellen, dass dann auch Limone und Minze eine frostige Verbindung eingehen. Extravagante Experimente wie Knoblauch- oder Curryeis soll es jedoch nicht geben.

Damit die Kunden in Ruhe ihre Lieblingssorte finden können, bekommt jeder Gast, der auf der Terasse einen Kaffee bestellt, auch eine Probierkugel im Minihörnchen serviert. "Das werden wir den ganzen Sommer anbieten", sagt Ulrike Seeger. Sie freut sich, einige Gäste schon auf den ersten Biss begeistern zu können. "Ein älterer Herr war mit seinen Enkeln hier und hat gesagt, es schmecke so gut wie früher." Die alten Rezepte sind in der Moderne angekommen.

(RP)
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