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Kaldenkirchener Karnevalsverein sagt die Session 2020/21 in Nettetal ab

Corona-Krise in Nettetal : Tulpensonntagszug 2021 ist abgesagt

Der Kaldenkirchener Karnevalsverein sagt die Session 2020/21 ab. Es wird keine Proklamation und auch keinen Umzug in gewohnter Weise geben. Alles soll ein Jahr verschoben werden, aber dann wäre Breyell dran.

Unmissverständlich machte Hans-Gerd Hauser, Vorsitzender des Kaldenkirchener Karnevalsvereins (KKV), allen klar, dass es in der Session 2020/2021 aufgrund der Pandemie kein Prinzenpaar aus Kaldenkirchen und Leuth, keine Proklamation und somit auch keinen Karnevalszug in der allen Nettetalern gewohnten Art und Weise geben kann. Diese Auffassung teile auch das designierte Prinzenpaar Jan und Carmen Lappen. Eine Abordnung von 39 Karnevalisten war auf Hausers Einladung zusammen gekommen, um über die kommende Session zu sprechen. Auch Bürgermeister Christian Wagner (CDU) war der Einladung gefolgt, um die Situation der Corona-Pandemie aus Sicht der Stadt zu erläutern.

Jan und Carmen Lappen wollten sich mit der Regentschaft einen Traum erfüllen. Natürlich seien sie enttäuscht, so Carmen Lappen auf Nachfrage, aber unter den aktuellen Bedingungen mit halbvollen Sälen und keinen Besuchen in Altenheimen und Kindergärten wäre Karneval kaum durchführbar. Das designierte Prinzenpaar hofft auf bessere Zeiten, in denen wieder eine normale Session gefeiert werden könne.

Allerdings kann man Karneval nicht so einfach verschieben, weil es zwischen den Ortsteilen einen vereinbarten Wechsel gibt. Und 2021/22 wäre Breyell daran. Im Moment ist Zeit für Gespräche, durch die Sommerferien werden diese sich hinziehen, so dass alles vorerst in der Schwebe bleibt.

In der Versammlung teilten verschiedene Gesellschaften bereits mit, dass sie derzeit vollumfänglich auf jede öffentliche Veranstaltung verzichteten. Andere Vereine haben sich noch nicht festgelegt oder sind an Verträge gebunden, die es zu erfüllen gilt. Die Situation ist nicht gerade einfach.

Auch Bürgermeister Wagner sieht die Zukunft von Unsicherheiten geprägt. So werde die Landesregierung sehr genau schauen, wie sich die Pandemie entwickelt. In absehbarer Zukunft werde keine Veranstaltung mehr so verlaufen, wie alle sie kannten. Auch als Stadt führe man selbst nur noch Veranstaltungen durch, die vertretbar seien und sich im gesetzlichen Rahmen befänden. Wagner kann sich derzeit nur kleine Veranstaltungen vorstellen, wie etwa das Hoppeditz-Erwachen am alten Rathaus unter freiem Himmel oder einen „kleinen Empfang“ am Altweiberdonnerstag im Rathaus.

An die Vereine gerichtet, die ihre Veranstaltungen absagen müssen, versicherte Bürgermeister Wagner, dass kein Verein aufgrund der Pandemie unter die „Räder“ kommen solle. Er versicherte, dass Rat und Verwaltung alles versuchen würden, sie so gut wie möglich zu unterstützen. Wagner empfiehlt den Vereinen, schon jetzt die Höhe der Verluste aufgrund fehlender Einnahmen zu dokumentieren.

Hans-Gerd Hauser (KKV) stellte fest, dass man mit dem derzeitigen Zwiespalt umgehen müsse: Karneval und Freude auf der einen Seite, Verantwortung und Gesundheit auf der anderen Seite. Der KKV schlug daher vor, dass das designierte Prinzenpaar die Nettetaler Jecken in der Session 2021/2022 anführt. Die Mehrheit der anwesenden Karnevalisten habe das, so Geschäftsführer Roland Peter Brüster-Schmitz, ähnlich gesehen. Doch dabei hätten die Komitees der einzelnen Gesellschaften das letzte Wort. Eine abschließende Entscheidung zu diesem Punkt werde es deshalb erst Ende September geben.

Karneval ist aber nicht nur Spaß an der Freud’, sondern auch ein Geschäft. Für viele, gerade kleine Vereine sind die Einnahmen überlebenswichtig. Die Auswirkungen einer abgesagten Session sind noch nicht genau absehbar, auch für Künstler und Bühnentechniker. „Krass“ nennt das Jörg Simonett, Bandleader der Kleinstadtrokker aus Kaldenkirchen. Seine Band hat bis Ende des Jahres keinen einzigen Auftritt. Dabei hat er vollstes Verständnis für die Veranstalter. Da wisse man nicht, ob man mit einem Bein im Knast stehe, wenn es auf der eigenen Veranstaltung zu Neuinfektionen wie etwa in Gangelt komme. Die ganze Situation sei extrem schlimm.