Kaldenkirchen: Nettetaler Tafel verteilt Essensspenden an Bedürftige

Serie Mein Verein : Auf Tour für bedürftige Menschen

Der Verein Nettetaler Tafel verteilt in allen Stadtteilen gespendete überschüssige Lebensmittel.

Kühl ist es in der Halle, fast schon kalt. In der Mitte sind Kisten mit Lebensmitteln, Obst und Gemüse gestapelt. Gut ein Dutzend Männer und Frauen in dicken Jacken greifen sich eine Kiste nach der anderen, bringen sie nach draußen, beladen damit einen Transporter. „Wir haben nicht mehr viel Zeit, die nächste Tour startet gleich“, sagt Karl-Heinz Dückers und schnappt sich eine Kiste mit Champignons. Die Tour, damit meint er die nächste Fahrt der Nettetaler Tafel, die Lebensmittel an bedürftige Menschen verteilt.

„Wir haben Ausgabestellen in allen Stadtteilen, die wir zu festgelegten Zeiten anfahren“, sagt Dückers. Dort warten meist schon Mitbürger, die für ihren Lebensunterhalt darauf angewiesen sind, gespendete Nahrungsmittel zu bekommen. „Insgesamt haben wir rund 950 Kunden“, erklärt Mitglied Heinz Vierig. Der Verein verteile die Lebensmittel nur an Menschen, die einen Berechtigungsschein als Nachweis haben, dass sie auf Hilfe angewiesen seien. „Darunter sind Arbeitslose, Alleinerziehende mit geringem Einkommen, Migranten, Rentner“, sagt Vierig.

Der Verein hat rund 50 aktive Mitglieder, zu ihnen gehört Ursula Schneider: „Alle engagieren sich ehrenamtlich“, sagt sie. „Die einen sind als Fahrer unterwegs, die anderen sortieren die Lebensmittel oder organisieren die Tourpläne und Einsatzzeiten der Fahrer.“ Franz Viecenz ergänzt: „Viele von uns sind Rentner, haben also Zeit. Manche helfen zwei Stunden in der Woche mit, andere mehr als zehn, jeder wie er kann.“ Dückers zum Beispiel hilft an mehreren Tagen: „Ich bin allein und eben auch Rentner, das ist mir ein einfach ein Herzensanliegen, was Sinnvolles zu tun.“

In der Theorie funktioniert alles reibungslos, in der Praxis hingegen gibt es laut Dückers auch schon mal unvorhergesehene Situationen: „Wenn auf einmal unter den Hilfeempfänger jemand da steht, den man von früher kennt, dann ist das für beide, für ihn und für mich, irgendwie irritierend, man ist kurz verunsichert.“ Doch wenn man dann ein paar Worte wechsele, renke sich das schnell ein.

Gegründet wurde die Nettetaler Tafel als gemeinnütziger Verein 2001 vom in diesem Sommer gestorbenen Kaldenkirchener Hermann Hecker. Derzeit ist Michael Althoff Vorsitzender. Fahrzeuge und Miete für die Lagerhalle in Kaldenkirchen finanziert die Tafel aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden. Mit einem sonst allgemein üblichen Vereinsleben mit regelmäßigen Feiern oder Ausflügen kann die Tafel nicht dienen: „Das Abholen, Transportieren und Verteilen von Lebensmitteln nimmt unsere Zeit in Anspruch“, sagt Vierig.

Der Verein gehört dem Dachverband Tafel Deutschland an, ist im regen Austausch mit benachbarten Tafeln etwa in Viersen, Schwalmtal oder Kempen. Viecenz: „Wenn einer von uns zum Beispiel von einem Bauern eine große Menge Kartoffeln bekommt, fragt er die anderen Tafeln, ob sie auch was brauchen.“ Landwirte seien sehr hilfsbereit, ansonsten geben örtliche Supermärkte ihre überschüssigen Lebensmittel ab.

Neben dem Verteilen von Lebensmitteln bereiten die Vereinsmitglieder ihre Aktion „Frohe Weihnachten für alle“ vor, die Vierig erläutert: „Wir hoffen, dass viele Nettetaler Bürger Weihnachtspäckchen für Bedürftige schenken, die wir dann zum Fest verteilen.“

Fürs Verteilen, ob von Weihnachtspäckchen oder Lebensmitteln, hofft der Verein auf Unterstützung, sagt Viecenz: „Wir können gut noch mehr ehrenamtliche Helfer brauchen, vor allem Fahrer, die sich für ein paar Stunden in der Woche oder alle zwei Wochen mit einbringen.“

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