1. NRW
  2. Städte
  3. Nettetal

Nettetal: Jugendamt: Nicht so teuer wie befürchtet

Nettetal : Jugendamt: Nicht so teuer wie befürchtet

9 159 236 Euro hat das Jugendamt der Stadt Nettetal in seinem ersten Jahr gekostet. Das sind knapp 200 000 Euro mehr, als ursprünglich angenommen. Im Juni 2012 standen jedoch noch Mehrkosten von rund 800 000 Euro im Raum.

Seit einem guten Jahr leistet sich die Stadt Nettetal ein eigenes Jugendamt. Dessen Gründung war von vielen kritisiert worden, auf die Kostenentwicklung wurde gespannt geschaut. Nun stellte Sozialdezernent Armin Schönfelder dem Jugendhilfeausschuss vorläufige Zahlen für das Haushaltsjahr 2012 vor: 9 159 236 Euro hat der "Fachbereich Kinder, Jugend und Familie" die Stadt im ersten Jahr gekostet.

Das sind zwar rund 197 000 Euro oder 2,2 Prozent mehr als ursprünglich veranschlagt. Dennoch bezeichnete Schönfelder das zufrieden als "Punktlandung". Noch Mitte des Jahres hatte es so ausgesehen, als müsse die Stadt mit weit höheren Kosten rechnen. 800 000 Euro Mehrausgaben standen im Raum — Wasser auf die Mühlen derer, die von Anfang an gegen Nettetals eigenes Jugendamt waren.

Bis Ende 2011 war das Jugendamt des Kreises Viersen für die Stadt Nettetal zuständig. Mit einem Drittel beteiligte sich die Seenstadt über die Jugendamtsumlage an den Kosten des Kreis-Jugendamtes. Von dieser "Drittelquote" gingen die Planer auch aus, als sie das eigene Jugendamt in die Wege leiteten. So ergab sich eine Summe von rund 8,9 Millionen Euro für das Jahr 2012. Die Planung erschwerte damals der Umstand, dass es nicht ohne weiteres möglich war, in allen Bereichen für Nettetal spezifische Zahlen zu ermitteln. "Das ist wie bei einem Umzug: Man findet Dinge, die man vermisst hat", sagte Amtsleiter Jochen Müntinga damals. Der Kreis habe nicht immer geprüft, ob ein Fall beispielsweise Brüggen oder Nettetal zuzurechnen war, "weil alles eins war".

So zogen sich die Unwägbarkeiten bis weit ins erste Lebensjahr des Nettetaler Jugendamtes. Vor allem im Bereich "Hilfen für junge Menschen" rechneten Schönfelder und Müntinga noch Mitte 2012 mit Kosten von rund 830 000 Euro gegenüber geplanten 672 000. Nun werden es wohl nur etwa 392 000 Euro sein. "Durch effektive Fallsteuerung ist es gelungen, die Ausgabenüberschreitungen einigermaßen in den Griff zu bekommen", sagte Schönfelder nun den Ausschussmitgliedern. Zudem sei man von Kostenerstattungen von rund 304 000 Euro ausgegangen, von denen jedoch nur rund 42 000 Euro im Jahr 2012 realisiert werden konnten — Ansprüche aus Leistungen im Jahr 2011 fließen noch dem Kreisjugendamt zu. "Deutlich höhere Einnahmen in einer Größenordnung von rund 160 000 Euro können erst im Jahr 2013 vereinnahmt werden", heißt es in der Zusammenfassung des vorläufigen Haushalts.

Auf der anderen Seite gibt es bei den Kindertagesstätten Einnahmen, mit denen man nicht gerechnet hatte: Weil das Kindergartenjahr (1. August bis 31. Juli) nicht dem Haushaltsjahr entspricht und somit der Kreis noch das Kindergartenjahr 2011/12 abwickelte, kam es zu nicht kalkulierten Einnahmen von rund 212 400 Euro für die beiden städtischen Einrichtungen. Ähnlich verhält es sich mit dem Kindergarten Bongartzstiftung, der das städtische Jugendamt (auch wegen höherer Elternbeiträge) 224 000 Euro weniger kostete als veranschlagt.

261 000 Euro mehr als angenommen kostete die Stadt hingegen die Kindergartenförderung — was die "vielen Unbekannten" (Schönfelder) zeigt, die den Haushalt des Jugendamtes bestimmen. Deutlich teurer wurde nämlich auch die Bewirtschaftung der Kindergartengrundstücke: Da der Nette-Betrieb aus Kapazitätsgründen viele Aufgaben nicht mehr ausführen kann, müssen diese an Fremdfirmen vergeben werden.

(RP/rl)