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Nettetal: Irgendwann dem Autor Heinrich Houben verfallen

Nettetal : Irgendwann dem Autor Heinrich Houben verfallen

Der Heimatverein Breyell und die Briefmarkenfreunde Nettetal haben eine gemeinsame Ausstellung organisiert.

"Ich muss Sie enttäuschen. Ich kann nur Hochdeutsch und nicht mit Breyells Händlersprache Henese Fleck dienen", gestand Bürgermeister Christian Wagner, als er in der Stadtbücherei eine ungewöhnliche Ausstellung eröffnete. Die "Postgeschichte und Ansichtskarten von Breyell und Heinrich Houben: Dichter, Schriftsteller und Sammler" sind zwei Ausstellungen in einem.

Zwei Vereine, zwei Jubiläen und eine Gemeinschaftsausstellung: Die Briefmarkenfreunde Nettetal feiern ihr 50-jähriges und der Heimatverein "Henese Fleck" gar sein 75-jähriges Bestehen. Beide Vereine verbindet ein Name: Heinrich Houben. Der in Leutherheide geborene Houben war Schriftsteller, Dichter und leidenschaftlicher Sammler von Ansichtskarten aus aller Welt. 1888 schrieb er den Leitfaden zum Krämerlatein, "Henese Fleck", in dem auf 40 Seiten die wichtigsten "Henese Wörter" zu lesen sind. 1923 dichtete er in der Geheimsprache der Breyeller Handelsleute Verse zu den fünf Inflationsgeldscheinen für die Breyeller Gemeinde.

Helmut Veikes, Mitglied in beiden Jubiläumsvereinen, zeigt in der Ausstellung erstmals einen Teil seiner Sammlung zu Heinrich Houben. "Es ist nur ein kleiner Teil", sagt Helmut Veikes. "Die komplette Sammlung würde den Rahmen sprengen." Veikes sammelt seit seiner Jugend Briefmarken, Feldpost und Ansichtskarten aus der ganzen Welt. Dabei stieß er auf Ansichtskarten von den Falkland-Inseln, die an einen gewissen "Zu Houben in Leutherheide bei Breyell" adressiert waren.

"Ich wurde neugierig und kniete mich in die Familiengeschichte Heinrich Houbens. Seitdem sammele ich alles, was ich über Heinrich Houben entdecken konnte – seit 20 Jahren. Helmut Houben ist mein Lebenswerk", sagte er bei Eröffnung der Ausstellung. Seine Leidenschaft zu Heinrich Houben wuchs so sehr, dass ihn negative Äußerungen über den Schriftsteller ärgerten. Das Urteil "der hat doch nur abgeschrieben" hat Helmut Veikes anhand von Dokumenten und anderen Informationen widerlegt. "Da hatte mich die Leidenschaft aber schon gepackt", erzählt er. Und schnell war dem Briefmarken- und Postkartensammler klar, dass das Leben Heinrich Houbens in die ganze Welt führt. "Hier kommt die Verbindung zur Postgeschichte ins Spiel", sagt Veikes.

In der Ausstellung sind zudem rund 30 unveröffentlichte Gedichte von Heinrich Houben zu sehen, deren Originale im Kempener Kreisarchiv liegen.

Helmut Veikes dokumentierte für die vielen Besucher der Ausstellungseröffnung seinen Teil der Ausstellung über Heinrich Houben. Stefans Heidenfels, Vorsitzender der Briefmarkenfreunde Nettetal, und Werner Korzikowski, Vorsitzender des Breyeller Heimatvereines, führten in die Ausstellung ein. Bei den Ansichten aus Breyell zeigten sich heimatverbundene Breyeller begeistert. Der Vergleich zum heutigen Bild Breyells ist interessant.

Eingebunden in die Doppelausstellung sind auch die postalischen Breyeller Stempel, die Marianne Wolters ausführlich auf verschiedenen Dokumenten erklärt werden. Sie sind eingeordnet in eine Periode der preußischen und deutschen Geschichte. FRAGE DES TAGES

(ivb)