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Integartionswerk fertigt Mundschutze für Krankenhaus Nettetal an

Face Shields für Nettetal : Migranten basteln Mundschutze für Klinik

Dank der Initiative von Sandra Breuer vom Integrationswerk Nettetal bekommt das Städtische Krankenhaus 100 so genannter Face Shields.

Schutzmasken gegen Coronaviren sind heiß begehrte Mangelware, vor allem in Kliniken. Darum ist man im Städtischen Krankenhaus Nettetal heilfroh über eine Initiative von Sandra Breuer vom Integrationswerk Nettetal: Sie hat zusammen mit geflüchteten Menschen aus Nettetal so genannte Face Shields gestaltet, eine Art Gesichtsvisier. Diese Schutzmasken kommen nun im Krankenhaus und in der Rettungswache zum Einsatz. Für Breuer auch ein Beleg dafür, wie sehr sich Migranten, die einst als Flüchtlinge nach Nettetal kamen, um Integration bemühen und sich ehrenamtlich fürs Gemeinwohl engagieren.

Für die „tolle Unterstützung vom Integrationswerk“ bedankt sich das Krankenhaus in einer offiziellen Erklärung. Solche Schutzmasken seien nämlich „auf dem Markt aktuell nur schwer zu erhalten“. Dabei würden sie vor allem von den Brillenträgern beim Krankenhaus-Personal dringend benötigt, weil herkömmliche Schutzbrillen sich bei ihnen in der Praxis nicht bewährten. Mittlerweile kommen 100 Face Shields auf den Isolations- und Intensivstationen sowie bei der Zentralen Patientenaufnahme zum Einsatz.

Migranten halfen, die so genannten Face Shields für das Krankenhaus Nettetal zusammenzubauen. Foto: Krankenhaus Nettetal

„Als ich im Internet eine Anleitung für die Erstellung solcher Masken sah, dachte ich gleich an unser Krankenhaus und fragte da nach“, erzählt Breuer. Dort signalisierte man Bedarf, denn die üblichen so genannten FFP-Halbmasken schützen die Augen nicht gut, und andere Masken seien eben für Brillenträger ungeeignet. Breuer fragte einige Migranten, ob sie mitmachen würden: „Alle sagten spontan zu, über solche Bereitschaft kann man sich nur freuen.“ Unter ihnen sei zum Beispiel ein junger Mann, der aus Guinea stammt, hier eine Bäckerlehre macht und deshalb nachts zur Arbeit muss: „Nach Feierabend kam er mittags gleich zu uns und arbeitete an den Masken mit.“

Beim Integrationswerk koordiniert Sandra Breuer die Arbeit mit geflüchteten Menschen, organsiert etwa Lerngruppen und Patenschaften. Foto: Ja/Knappe, Joerg (jkn)

Im Krankenhaus bauten die Ehrenamtler unter Aufsicht der Hygienefachkräfte die Schutzmasken zusammen, „natürlich unter Einhaltung der Abstandsregeln“ zum Schutz vor Corona, heißt es dazu aus dem Krankenhaus, das die Materialien aus der Haustechnik und dem Baumarkt besorgte. Den Vorteil dieser Visiere erklärt Stefan Russmann, stellvertretender Pflegedienstleiter und Hygienefachkraft: „In Kombination mit einer entsprechenden FFP-Maske bieten die Visiere einen guten Schutz für all unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Umgang mit infektiösen Covid-19-Patienten und Verdachtsfällen.“

Weil die Visiere sich gut desinfizieren lassen, können sie personengebunden wiederverwendet werden. Weiterer Vorteil laut Krankenhaus: „Brillenträger können darunter ihre eigene Brille tragen.“ Auch bei der Stadt Nettetal ist man dankbar für die Initiative, werden doch zehn dieser Schutzmasken im Rettungsdienst verwendet.

Sandra Breuer (47) macht kein Aufhebens um ihre Aktion: „In der Corona-Krise überlegt man sich oft, was man tun kann, auch Migranten kommen und fragen, ob und wie sie helfen können.“ Beim Integrationswerk koordiniert sie die Arbeit mit geflüchteten Menschen, organsiert beispielsweise in Absprache mit dem Förderverein Flüchtlingshilfe Nettetal und der Stadt Lerngruppen, Patenschaften, Frauengruppen. Breuer: „Unter den vielen ehrenamtlichen Helfern sind mittlerweile auch Migranten.“