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In Nettetal startet das Projekt Boomerang Bags

Kaldenkirchen : Stofftaschen sollen Plastiktüten ersetzen

Elvira Deutges und Shila Klaffke haben das Projekt Boomerang Bags in Nettetal gestartet. Aus Stoffresten werden Einkaufstaschen genäht, die kostenlos in Geschäften ausliegen und Plastiktüten vermeiden helfen sollen.

Sheila Klaffke ist noch ganz überwältigt. Der Sonntag war für sie ein toller und erfolgreicher Tag. 40 Helfer, vom Kind bis zur Großmutter, waren im Convent zusammen gekommen, um aus Stoffresten Einkaufstaschen zu nähen. Die Zusammenarbeit hat gut geklappt und allen hat es Spaß gemacht.

Boomerang Bags heißt dieser weltweite Trend, der in Australien seinen Anfang nahm. Von dort hat sich die Idee rasant schnell verbreitet. Die Idee dahinter ist rein nachhaltig: Aus alten Stoffresten sollen neue Stofftaschen genäht werden, die Einkaufstüten aus Plastik überflüssig machen. Und sie heißen Boomerang Bags, weil die Taschen wie ein Boomerang vom Kunden wieder zurückgebracht und in einem der teilnehmenden Geschäfte erneut ausgelegt werden sollen. Wer sie unbedingt behalten will, kann einen Betrag spenden. Sheila Klaffke vom NeKiTa-Team (Nettetaler Kindertag) und Elvira Deutges von Elvira‘s Nähspaß stießen im November im Internet auf Boomerang Bags. Inzwischen wissen sie auch, dass es solche Aktionen bereits in Tönisvorst und in Krefeld-Hüls gegeben hat. Nettetal aber ist neu und offiziell in Australien dafür angemeldet.

Im Pfarrzentrum Convent waren am Sonntag bereits 34 Taschen genäht worden. Auch im Generationstreff Lobberich und bei der Flüchtlingshilfe wird weiter genäht, so dass 60 bis 70 Taschen zur Verfügung stehen werden. Jeder kann mitmachen und eigene Taschen erstellen. Zuschnitte kann man in der Taschenmanufaktur an der Bahnhofstraße abholen und fertige Taschen dort abliefern. Am Sonntag wurden alte Bettlaken und Oberhemden zerschnitten und neu zusammengenäht. Es geht darum, Stoffe, die keiner mehr braucht, nicht wegzuschmeißen, sondern neu zu nutzen. Obwohl: Das Oberhemd aus den 1970er Jahren war schon extrem cool, fast zu schade, um es zu zerschneiden, findet Sheila Klaffke.

Im Konvent wurde richtig arbeitsteilig vorgegangen. Die einen schnitten zu, andere nähten mit der Maschine, andere wendeten die Stoffe für den Henkel, zum Schluss wurden die Stücke gebügelt. Nun freuen sich die beiden Initiatorinnen, wenn möglichst viele Geschäfte in Nettetal mitmachen. Sport Allertz, der Buchladen Kaldenkirchen und T & D Lifestyle machen bereits mit. Dort liegen die Taschen aus. Der Buchladen gab schon vorher keine Tüten mehr aus, auch keine aus Papier. Die Inhaber waren daher von der Idee der Boomerang Bags total angetan. Auch Volpp Optik hat Stoff für die Aktion gespendet. Selbst in Brüggen beteiligen sich Paul & Paula Kindermoden. Die Aktion soll nicht auf Kaldenkirchen beschränkt bleiben, sondern hat Nettetal als Ganzes im Blick. So wurden bereits die einzelnen Werberinge angeschrieben. Rückmeldungen gibt es durch den Jahreswechsel noch nicht. Interessierte Einzelhändler können sich aber auch direkt an die Initiatoren wenden.

Jede Tasche wird mit dem Boomerang Bag Logo gestempelt und nummeriert. Der Einzelhandel stellt diese dann kostenlos zur Verfügung. In den teilnehmenden Geschäften werden Spardosen aufgestellt. Dieses Geld soll für Stempelfarbe und Garn verwendet werden. Bei der Aktion geht es nicht nur um das Vermeiden von Plastiktüten und die Neunutzung von Stoffresten. Boomerang Bags ist gleichzeitig auch ein soziales Projekt, das alle Generationen einbezieht, bei dem Flüchtlinge mitmachen und integriert werden, bei dem jeder kreativ werden kann und seine Freude am Nähen entdecken kann. Und das Projekt stößt an, Gespräche zu führen – über die Natur, das Klima, das Konsumverhalten. Das war bereits bei den Anfängen 2013 in Australien so. Den Gründerinnen ging es auch um Communities.