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In Nettetal nutzen viele Lkw das Gewerbegebiet zum Parken

Gewerbegebiete in Nettetal : Viele Fahrer leben in ihrem Fahrzeug

Die Zillessen-Allee im Gewerbegebiet Nettetal-West mutiert regelmäßig zum Langzeit-Parkplatz für Lkw. Für die Fahrer bedeutet das vielfach menschenunwürdige Zustände. Doch eine schnelle Lösung ist nicht in Sicht. 

Rechts und links auf den Parkstreifen entlang der Zillessen-Alle geht es hoch hinaus. Ein Lkw nach dem anderen steht auf den Streifen. Mal sind es einzelne Zugmaschinen, aber in den meisten Fällen sind es Zugmaschinen inklusive Auflieger. Fahrer mit Müllbeuteln in der Hand sind auf dem Weg zum schwarzen Müllcontainer am Straßenrand. Andere tragen Wasserkanister zu ihrem Lkw zurück. Vereinzelt steht ein Campingtisch mit Stühlen zwischen den Lkw, an denen Fahrer essen. Einige Kabinentüren stehen offen und Fahrer unterhalten sich. An anderen sind die Gardinen zugezogen und nur Clogs auf den Stufen der Zugmaschinen zeigen an, dass dort jemand ist.

Die Fahrerkabine ist das Zuhause von Fahrern, die quer durch Europa Waren transportieren. Was es heißt, wenn Lieferketten unterbrochen werden und Rohstoffe als auch Produkte den Weg nicht mehr an Produktionsstätten oder in den Handel finden, das spüren derzeit viele Unternehmen und auch Bürger. Umso wichtiger ist es, dass der Transport in Bewegung bleibt. „Und dafür sorgen diese Menschen, allerdings unter menschenunwürdigen Voraussetzungen“, sagt Michael Wahl vom Bündnis „Faire Mobilität“. Wahl hat sich an diesem Samstag an der Zillessen-Allee eingefunden, um mit den Fahrern, zumeist aus osteuropäischen Ländern, ins Gespräch zu kommen und sie auf ihre Rechte aufmerksam zu machen sowie Unterstützung anzubieten.

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„Die Fahrer erhalten nicht den ihnen zustehenden Mindestlohn. Sie bekommen nur ein geringes Grundgehalt, das am Ende des Monats durch Spesen aufgestockt wird. Aber das ist nicht richtig. Der Mindestlohn darf in Deutschland nicht in Form von Spesen und Übernachtungspauschalen gezahlt werden. Sie kommen on top auf den Mindestlohn“, informiert Wahl, der gerade mit einem Fahrer aus der Ukraine spricht und ihm einen entsprechenden Informationsflyer überreicht.

Der Fahrer spricht von seinen Schwierigkeiten: Autohöfe für Übernachtungen sind teuer, die Lkw-Parkplätze an den Raststätten überfüllt und Ausweichmöglichkeiten wie das Parken in Gewerbegebieten nicht erwünscht oder nicht gestattet. Das zeigen auch die großen Betonelemente, die auf den Parkstreifen der Zillessen-Allee liegen. Sie wurden indes teilweise zur Seite geräumt, um dort doch zu parken, weil die Fahrer nicht wissen, wohin sie sonst sollen, wenn sie Ruhezeiten einhalten müssen oder an Wochenenden nicht fahren dürfen.

„Wir brauchen hier Lösungen. Wenn Gewerbegebiete in dieser Größenordnung wie Nettetal-West angelegt werden, geht es nicht, dass wir keine Möglichkeiten für die Fahrer schaffen“, sagt Manuel Britsch, Landtagskandidat der Grünen, der das Treffen vor Ort initiiert hat. „Wir brauchen vor Ort einfach nur Sanitärcontainer, in denen die Fahrer Toiletten, Duschen und vielleicht auch eine Waschmaschine vorfinden“, sagt Britsch. Die bislang von der Stadt aufgestellten mobilen Toiletten und der Müllcontainer reichten nicht. Britsch spricht deshalb von menschenunwürdigen Zuständen für die Fahrer.