In Nettetal kam das Kästner-Buch "Drei Männer im Schnee" auf die Bühne

Aufführung in Nettetal: Komödie gefiel in Schwarz-Weiß

Wie ein alter Film wurde das Kästner-Buch „Drei Männer im Schnee“ in Nettetal inszeniert.

 Für einen Moment konnte man glauben, zwar nicht im falschen Film, aber doch im Kino statt im Theater gelandet zu sein. Der geöffnete Vorhang gab den Blick auf eine Leinwand frei, und wie im alten Schwarz-Weiß-Film las man als Vorspann das, was als Theaterstück angekündigt war: Erich Kästners Verwechslungskomödie „Drei Männer im Schnee.“

Dann öffnete sich der Vorhang der Werner-Jaeger-Halle weiter, die Leinwand verschwand, und aus dem angedeuteten Film wurde Theater live und das Filmtheater Köln gab eine Kostprobe seiner Arbeit. Dort wird nicht Theater verfilmt, sondern umgekehrt nach Filmvorlagen Theater gespielt.

Dabei muss natürlich bewusst einiges anders konzipiert werden. Es gibt keine Großaufnahmen, die Szenerie kann nicht im Minutentakt gewechselt werden, Bühnenbild und Requisiten müssen mit überschaubarem Einsatz transportiert werden können. Aber eins wurde getreulich vom alten Film übernommen: Kostüme und Bühne waren ganz in Schwarz-Weiß gehalten, und das war ohne Zweifel sehr reizvoll.

Kästners Roman um den unkonventionellen Unternehmer, der aus Neugier freiwillig in einem Luxushotel den armen Schlucker spielt, wurde mehrfach verfilmt. Verglichen mit Kurt Hoffmanns Schwarz-Weiß-Film mit Paul Dahlke aus dem Jahre 1955 setzte die Inszenierung von Markus Veith und Kirsten Annika Lange die Pointen ähnlich, wenn auch mit mehr Klamauk.

Als Erich Kästner im Jahr 1934 den Roman unter dem Titel „Das lebenslängliche Kind“ herausgab, konnte er das nicht mehr unter seinem eigenen Namen tun. Die Nationalsozialisten hatten dem gesellschaftskritischen Autor Schreibverbot erteilt, seine Freunde schmuggelten das Buch unter dem Pseudonym Robert Neuner auf den Markt. Den Charme hat das Werk bis heute nicht verloren; die witzig verpackte Sozialkritik ist immer noch aktuell.

Die Lobbericher Aufführung war lebendig und engagiert. An Lachern im Publikum fehlte es nicht, die Akteure durften sich über herzlichen Beifall freuen.

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