1. NRW
  2. Städte
  3. Nettetal

In der Hofkirche in Kaldenkirchen wird die Orgel demontiert

Kaldenkirchen : Der Abbau der Orgel hat begonnen

Die Orgelbaufirma Kampherm hat damit begonnen, die Orgel der Hofkirche in Kaldenkirchen abzubauen. Die meisten Teile werden in der Werkstatt in Verl generalüberholt. So hat sich die Gemeinde für das Instrument eingesetzt.

Beim Gottesdienst am Sonntag stand die Orgel noch mal ausgiebig im Mittelpunkt der evangelischen Kirchengemeinde. Es ist ein Abschied für drei Monate. Die Orgel wird jetzt abgebaut und beim Orgelbauunternehmen Kampherm in Verl in Westfalen grundlegend saniert. Kirchenmusikerin Ingrid Koziol sagt, es sei jetzt echt an der Zeit gewesen. In den letzten zwei, drei Wochen gingen zwei Pfeifen gar nicht mehr, am Sonntag „klemmten“ ein paar Töne.

Am Montag kamen Friedrich Kampherm, Chef der Orgelbaufirma Kampherm, und sein Mitarbeiter Markus Wolf in die Hofkirche und begannen mit dem Abbau. Sie bleiben zwei Tage in Kaldenkirchen.  Der größte Teil der Orgel wird demontiert und anschließend in die Werkstatt im westfälischen Verl gebracht. Für schwere Teile wie die Windlade haben die Orgelbauer einen kleinen Kran auf der Empore. Alle Verschleißteile werden erneuert. Nicht alle Teile müssen ausgebaut werden, ein Teil bleibt vor Ort. Die Orgelbauer werden dann im Juli noch einmal nach Kaldenkirchen kommen, um diese Teile vor Ort zu reinigen.

Die Orgel wurde 1967 von der Aachener Orgelbaufirma Stahlhuth gebaut und beim Erntedanksonntag eingeweiht. Bei der Wartung wurde vor zwei Jahren Schimmelbildung im Orgelkasten festgestellt. Der Orgelsachverständige des Kirchenkreises gab grünes Licht für eine grundlegende und tiefgreifende Erneuerung der Orgel. Für die Sanierung wurden drei Orgelbauer angeschrieben, zwei gaben ein Angebot ab, Kampherm erhielt den Zuschlag. Die Kirchengemeinde rechnet mit Kosten in Höhe von 60.000 Euro. Mit der Sanierung erhält die Orgel zwei neue Register. Dadurch soll das Instrument einen volleren Klang erhalten. Aber Kirchenmusikerin Koziol sagt ebenso klar, dass das Instrument eine Gottesdienstorgel sei und keine Konzertorgel.

Für die Orgelrenovierung wurde in der Gemeinde eifrig gesammelt. So sind bereits 35.000 Euro zusammengekommen, sagt Pfarrer Andreas Grefen. Vor der Coronakrise gab es selbstgebackenen Kuchen nach dem Gottesdienst, wer wollte, konnte für die Orgel spenden. Und es gibt auch jetzt noch weitere Aktionen. So baut der Männerkreis Holzlokomotiven für Kinder. Der Erlös soll auch der Orgelrenovierung zugute kommen.

Ein Referenzstück der Verler Orgelbauer ist die Orgel in der katholischen Kirche St. Maria Immaculata in Kaunitz (2016), einem Stadtteil von Verl. Aber auch in der Region waren die Orgelbauer von Kampherm bereits vielfach engagiert. So 2015 in St. Apollinaris in Düsseldorf-Oberbilk, 2014 in der Evangelischen Christuskirche in Dormagen, 2011 und 2013 in der Christuskirche in Neuss sowie 2006 in der Auferstehungskirche in Kaarst.

In Kaldenkirchen hofft Pfarrer Grefen, im Herbst die Konfirmation nachholen zu können, dann wieder mit der überholten Orgel im feierlichen Gottesdienst. Der Orgelkasten wird farblich nicht neu gestaltet, sondern bleibt wie bisher monochrom weiß. Die Hofkirche ist der reformierten Tradition gemäß eher schmucklos und schlicht. Der einzige Schmuck der ansonsten bilderlosen Kirche sind die abstrakten Kirchenfenster des Künstlers Joachim Klos aus Schaag. Er ersetzte in den 1990er Jahren die alten Milchglasfenster. Erst in dieser Zeit erhielt die Hofkirche ein Kreuz auf dem Abendmahlstisch (nicht Altar), Kerzen und einen Ambo (Lesepult). Pfarrer Grefen hält dort sonntags seine Predigten, weil er nicht mit Mundschutz von der Kanzel aus predigen will.