1. NRW
  2. Städte
  3. Nettetal

Nettetal: Immer noch zu viel Nitrat im Boden

Nettetal : Immer noch zu viel Nitrat im Boden

Wasserversorger und Landwirte kooperieren, um den Nitratgehalt in Grundwasser zu reduzieren. Ein Problem dabei ist Gülle

Was da Ende Januar von Nordwesten her herüber wehte, drang einer Lobbericherin nicht nur unangenehm in die Nase. Es ließ sie auch fragen, ob der oder die Landwirte schon vor dem 31. Januar Gülle auf ihren Äckern aufbringen durften, ob die "hiesigen Wasserwerke über den Gülleeintrag informiert" waren. Sie wollte auch: "Wer erklärt den Bürgern die Geruchsbelästigung, die den ganzen Tag anhielt?" Hinter den Fragen steckte offenbar die Sorge, dass durch zu viel und zur falschen Zeit aufgebrachte Gülle zu viel Nitrat ins Grundwasser gelangen könnte. Zu viel davon im Trinkwasser könnte Krebs auslösen - nach der Umwandlung in Nitrit.

Dass es in Deutschland ein Gülleproblem gebe, meint Guido Gahlings, Vorsitzender des Umweltausschusses. Der Grünen-Politiker zitiert dazu aus einer Greenpeace-Stellungnahme und einem aktuellen Bericht des Landes-Umweltamtes. Demnach sei die Schadstoffbelastung des Grundwassers am Niederrhein als "intensiv landwirtschaftlich genutzter Region problematisch". Bei zahlreichen Wasserwerken müsste das Grundwasser mehrerer Brunnen "verschnitten" werden, damit der in der Trinkwasserverordnung festgelegte Grenzwert von 50 Milligramm Nitrat pro Liter im später abgegebenen Trinkwasser überhaupt eingehalten werden kann.

Mit den Auswirkungen der Gülledüngung beschäftigen sich die Stadtwerke Nettetal seit Jahrzehnten. Weil die Grenzwerte überschritten wurden, legten die Stadtwerke bereits mehrere oberflächennahe Brunnen still und bohrten in den Wassergewinnungen Lobberich-Maarfeld und Kaldenkirchen neue Brunnen bis auf 120 Meter Tiefe. Dort ist der Nitratgehalt kleiner als ein Milligramm pro Liter. Alle Brunnen stehen unter der Beobachtung von Christian Plaßmann, Technischer Leiter der Kommunalen Partner Wasser GmbH, die die Wasserversorger in Nettetal, Grefrath und Kempen 2012 gegründet haben. In deren Auftrag ist die Gesellschaft mit den Landwirten im Gespräch, um die Nitratbelastung des Grundwassers zu reduzieren.

Laut Plaßmann geht es dabei konkret um vertragliche Regelungen mit der Landwirtschaft in Wasserschutzzonen, in denen etwa zeitliche Einschränkungen bei der Gülleausbringung oder Auflagen bei der Bodenbewirtschaftung festgelegt werden. Mit Bodenproben vor, während und vor allem nach der Vegetationsperiode werden die Nitratwerte im Boden geprüft. Werden Vereinbarungen nicht eingehalten, kann dies eine Kürzung von Ausgleichszahlungen der Kooperationen bedeuten.

Plaßmann machte deutlich, dass durch die Kooperationen in den vergangenen Jahren eine Abnahme der Nitratkonzentration erreicht wurde, aber weiterhin noch viel zu tun sei. Das gehe nicht ohne eine intensive Zusammenarbeit von Politik, Verbrauchern, Landwirtschaft und Wasserwirtschaft.

Am Ende einer regen Diskussion mit vielen Detailfragen stand Gahlings Vorschlag, das Thema im Zwei- oder Dreijahresrhythmus wieder aufzugreifen. Neue Erkenntnisse erhofft er auch von der Netzwerk-Initiative Agrobusiness Niederrhein, die über das Innovationsforum ebenfalls nach Wegen zur Entschärfung der Gülleprobleme sucht.

Und die Fragen der Lobbericherin? Ob die Landwirte in Lobberich Ende Januar Gülle aufbringen durften, hängt davon ab, ob sie im Herbst 2016 eine Ausnahmegenehmigung beantragt hatten und ob der Boden nicht zehn Zentimeter tief gefroren war. Die Stadtwerke brauchten nicht informiert zu werden, denn sie sind in diesem Fall nicht der richtige Adressat.

(mme)