Kreis Viersen: Immer mehr Menschen leben allein

Kreis Viersen : Immer mehr Menschen leben allein

Die Zahl der Single-Haushalte ist in den vergangenen Jahren gestiegen: Rund 18 Prozent der Bürger im Kreis Viersen leben allein. Die Gemeinden und vor allem die Lebensmittelindustrie müssen sich in Zukunft umstellen.

Von rund 145 000 Haushalten im Kreis Viersen werden nur annähernd 54 000 von einer Person bewohnt. Das entspricht etwas mehr als 37 Prozent der Haushalte. Somit leben 18 Prozent der rund 300 000 Bürger im gesamten Kreis Viersen allein. Zum Vergleich: Im Jahr 2005 lebten nur 13,5 Prozent der Bürger ohne Partner. Es ist zu erwarten, dass sich die Zahl in den kommenden Jahren noch erhöhen wird. Für den Kreis rechnet das Landesamt für Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT NRW) bis 2030 mit einem Anstieg um weitere drei Prozent.

Insbesondere die Baubranche wird sich zunehmend auf die geänderten Bedürfnisse der Bürger einstellen müssen. Die Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft für den Kreis Viersen (GWG) sieht zwar derzeit noch keinen erhöhten Bedarf an Single-Wohnungen. Von den 4500 Wohnungen im Kreis gibt es rund 700 Wohnungen mit einer Wohnfläche von weniger als 50 Quadratmetern. Diese werden allerdings nicht ausschließlich von Singles, sondern auch von Paaren bewohnt.

"Wir stellen uns bei der Planung eher die Frage nach dem Alter. Im Rahmen des demografischen Wandels richten wir uns verstärkt auf seniorengerechtes Wohnen ein", sagt Peter Bauland von der GWG. Mit ihrem Projekt "Wohnen mit Service" wollen sie entsprechende Wohnungen für besonders für ältere Bürger ab einem Alter von 60 Jahren unter anderem in den Gemeinden Bracht, Niederkrüchten und Lobberich schaffen.

Anders ist es bei der Viersener Aktien-Baugesellschaft (VAB). "Das Thema brennt uns auf den Nägeln, wir haben eine große Nachfrage nach kleineren Wohnungen", sagt Albert Becker, Vorstandsvorsitzender der VAB. Wohnungen mit einer Fläche zwischen 45 und 60 Quadratmetern seien in Viersen besonders gefragt, so Becker. In den vergangenen Jahren habe man deshalb 75 Kleinwohnungen gebaut und weitere 136 im Kreis renoviert. In den nächsten vier Jahren sollen mehr als 100 weitere folgen. Die Wohnungen sollen für jede Altersklasse nutzbar sein. "Wir setzen sehr auf Barrierefreiheit. Nicht nur für ältere, sondern auch junge Leute möchten bequeme Wohnungen und die Vorzüge wie Aufzug oder bodengleiche Duschen nutzen", sagt Becker.

Auch für den Einzelhandel sind die Single-Haushalte ein wichtiges Phänomen. Immer mehr Kunden legen Wert auf kleinere Packungs- und Portionsgrößen. "Dieses Thema ist für die Lebensmittelhändler in der Tat wichtig. Denn mit der Veränderung der Haushaltsgrößen, oft im Zusammenhang mit dem demografischen Wandel, ergeben sich auch Veränderungen im Einkaufsverhalten", sagt Christian Böttcher vom Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH).

Da sowohl junge als auch ältere Singles in der Stadt oft kein Auto haben oder auf den typischen Wocheneinkauf verzichten, sind ihnen kleine Geschäfte mit großer Auswahl lieber. Für Senioren sei es besonders wichtig, dass sich ihr Geschäft gut und bequem erreichen lässt. Berufstätige Singles bevorzugten zudem ein breites Angebot an sogenanntem Convenience-Food, also etwa Fertiggerichte und Tiefkühlprodukte, da ihnen der Beruf wenig Zeit zum Kochen lasse, gibt der BVLH bekannt.

Daneben ernährten sich viele berufstätige Singles außer Haus, also in Restaurants und Imbissen. Die Händler und Hersteller hätten bereits reagiert, so ein Bericht des BVLH. Viele Geschäfte würden mittlerweile eine deutlich höhere Zahl an Packungsgrößen und frischen Fertigprodukten anbieten als noch vor fünf oder zehn Jahren. So gibt es beispielsweise Joghurt vom 4er-, 6er- oder 8er-Gebinde bis hin zum großen Ein-Kilo-Eimer. FRAGE DES TAGES

(RP)