Matthias-Neelen-Tierheim in Lobberich: Im Tierheim zu Hause

Matthias-Neelen-Tierheim in Lobberich: Im Tierheim zu Hause

Von A wie Affe bis Z wie Zebrafink – das Matthias-Neelen-Tierheim in Lobberich hat schon so manchen Exoten beherbergt

Ein aus einem Zirkus ausgebüchster Affe, der kurz Station im Matthias-Neelen-Tierheim in Lobberich machte. Eine Ziege, die auf einer Wiese ausgesetzt war und in einer halbstündigen Aktion eingefangen wurde. Ein zahmer Waschbär, der für sein Leben gerne auf der Schulter der Tierheimmitarbeiter saß, wenn sie sein Gehege sauber machten oder das Pferd, das auf einmal auf einem Feld stand und für das sich kein Besitzer fand – wenn Tierheimleiter Ralf Erdmann und sein Team auf die Tiere blicken, die alle einst bei ihnen eingezogen sind, kommt eine lange Liste zusammen – die weit über die üblichen Haustiere hinausgeht.

„Wir hatten Kornnattern hier, und eine Vogelspinne gab es auch. Das war aber nicht mein Ding“, erzählt Ingrid Erdmann. Lange bleiben die Exoten nicht, denn im Tierheim ist man auf sie nicht eingerichtet. „Terrarien mit Wärmelampen und Boxen für größere Tiere gibt es bei uns nicht“, sagt Erdmann. Dafür aber einen Hundezwinger, zwei Katzenhäuser und eine Kleintieranlage. Mehr als 100 Katzen, 22 Hunde und sieben Kleintiere leben aktuell dort.

Manche Tierschicksale machen traurig. Kürzlich wurden zwei norwegische Waldkatzen in einem Pappkarton bei strömenden Regen vor dem Tierheim ausgesetzt. Es gibt Tiere, die finden schnell ein neues Zuhause, andere warten seit Jahren. Einer davon ist Hermann (10). Der Jack-Russell-Mix lebt seit sechs Jahren im Tierheim. Seine Chance, vermittelt zu werden, ist gering. Er schnappt nach Menschen – eine Folge mangelnder Erziehung seiner Erstbesitzer.

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Chica, Pascha und Pepper sind lieb – aber sie gehören den falschen Rassen an. Pitbull, Stafford und Bullterrier zählen zu den sogenannten Listenhunden. Eine Haltergenehmigung und je nach Wohnort erheblich erhöhte Steuern schrecken viele ab. So leben die drei Hunde seit zwei Jahren im Tierheim. „Wir haben zudem zehn ältere Katzen, einige benötigen für den Rest ihres Lebens Medikamente. Auch sie verbringen ihren Lebensabend bei uns, weil sie keiner haben möchte“, berichtet Ralf Erdmann.

Da sind aber auch Tiere, die gar nicht weg zu wollen scheinen. „Unser roter Kater ist so ein Fall“, sagt Erdmann. Wenn der Kater vermittelt wird, hört er auf zu fressen – bis er wieder im Tierheim ist. Auch an Henry erinnert sich das Team mit einem Schmunzeln. „Er kam zu uns, weil sein Besitzer ins Krankenhaus musste und sich niemand um den Hund kümmern konnte“, erinnert sich Ingrid Erdmann. Ein Jahr lebte der Windhund-Mix im Tierheim, dann holte ihn sein Herrchen ab. Doch Henry büxte aus und lief zum Tierheim zurück. Brav blieb er vor der Tür sitzen, bis ihm jemand aufmachte. „Der Besitzer starb kurz darauf, und Henry kam endgültig zu uns. Er ist bei uns ein Opa-Hund geworden. Anfang des Jahres mussten wir ihn leider einschläfern lassen“, erzählt Ralf Erdmann. Die fünf Entenküken wollte das Team auf einem nahen See auswildern. Allerdings folgten sie der Pflegerin wieder zurück ins Tierheim – sie kamen schließlich nach Brüggen in einen Privatteich mit Familienanschluss.

Die Mitarbeiter versuchen, immer tiergerecht zu handeln – ob beim trauernden Hund, dessen Herrchen starb und der regelrecht zum Fressen animiert werden musste, oder bei Notfällen wie Großräumungen, bei denen auf einen Schlag Dutzende Tiere aufgenommen werden müssen. „Wie haben im Einkocher Kartoffeln gekocht und sie zu Püree verarbeitet – mit einem Quirl, der eigentlich für die Zementherstellung gedacht ist, angetrieben durch eine Bohrmaschine. Damals hatten wir 50 schwer kranke Welpen, die illegal eingeführt worden sind“, sagt Ralf Erdmann. Die Jungtiere brauchten Schonkost in Mengen. Treten solche Extremlagen ein, ist generell Improvisieren angesagt, aber darin ist das Team aufgrund seiner langjährigen Erfahrung bestens geschult.