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Nettetal: Hombergen und der Galgenberg

Nettetal : Hombergen und der Galgenberg

Im Jahrbuch 2013 des Geschichtsvereins "Overkwartier van Gelre" wird erklärt, dass der Name der Hinsbecker Ortschaft Bezug zur einstigen Richtstätte auf den Höhen hat. Der Verein trifft sich regelmäßig in Wankum.

Keineswegs "auf den Arm genommen" sollten sich die Leser fühlen, schreibt Sjraar Verkoijen gleich zu Beginn seines Aufsatzes über den "Mons Veneris van Océ". Doch der pensionierte Lehrer und Hobbyhistoriker will keine medizinische Abhandlung über den weiblichen "Venushügel" schreiben, sondern über einstige Gerichtsstätten, an denen über Missetäter geurteilt wurde und an denen sie gleich vom Diesseits ins Jenseits befördert wurden. So kam Verkoijen auch auf die Hinsbecker Höhen, wo seit der Euroga 2002plus wieder der alte Gerichtsplatz markiert ist.

Im soeben erschienenen Jahrbuch 2013 des "Overkwartier van Gelre — Verein für historische und genealogische Forschung" ist nachzulesen, dass der Name der Ortschaft Hombergen nichts anderes bedeutet als "Galgenberg". Zum Beweis steigt Verkoijen bis ins frühe Mittelalter zurück, als ein Körper als "hom" (altsächsisch) oder "ham" (althochdeutsch) bezeichnet wurde. Er entdeckt diese Wörter wieder in "lichoma" und "likhamo" — Vorläufern des modernen niederländischen Wortes "lichaam" (Körper). Von dieser Namensinterpretation haben die Hinsbecker Ortshistoriker Hans Kohnen und Heinz Koch noch nichts gehört. Übereinstimmend meinten sie: "Das ist in der Literatur bisher nicht aufgetaucht."

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Weit ausholend beschäftigt sich Verkoijen mit früheren Prozessen und einem Henkersplatz im Norden von Venlo an der Grenze zu Velden. Auf einer alten Karte hat er im Bereich Genooij einen "Kutheuvel" und einen "Kruisberg" entdeckt, die es heute nicht mehr gibt: Dort steht inzwischen ein Produktionsbau des Druckerherstellers Océ. Erhalten aber ist das Kapellchen nahebei. Da der Hobbyhistoriker nicht annimmt, dass Kartographen einst ein Slangwort (Kutheuvel — Symbol für menschliche Wollust) als Namensbezeichnung für einen Hügel verwandten, erklärt er "Kutheuvel" als Abkürzung für Executieheuvel (Exekutionshügel). Um nun aber heute keinen "beschämenden Namen" in die Überschrift nehmen zu müssen, ist er auf den lateinischen "Mons Veneris" verfallen. Bei allem ist der Autor nicht von Zweifeln frei, denn restlos überzeugt ihn die Sache noch nicht, "aber sie ist plausibel".

In deutscher Sprache bringt das Jahrbuch zwei Aufsätze von Lucien Pijper und Willi Steeghs über den Gelderner Ansichtskartenherausgeber Hermann van der Moolen sie von Marie-Luise Posten (Sevelen) über "Hexen und Dämonen - aus Wahnvorstellung wird Realität". Als Kämpfer gegen den Hexenwahn wird darin auch der Jesuit Friedrich Spee von Langenfeld (Wankum) beschrieben; ein Stammsitz des Grafengeschlechtes Spee ist der Altenhof in Kaldenkirchen. Den Band beschließt ein Aufsatz von John Vaessen über den alten Friedhof in Roermond mit dem Grabmal eines Ehepaares, das getrennt auf dem protestantischen und katholischen Teil beigesetzt wurde, sich über die Mauer symbolisch die Hand reicht.

Der Verein "Overkwartier van Gelre" zählt etwa 150 Mitglieder beiderseits der Grenze. Er trifft sich jeden zweiten Dienstag im Monat um 19.30 Uhr im Haus Marienstraße 1 in Wankum (neben Dorfmuseum). Information: Lucien Pijper, Mail: pijper@telfort.nl, Internet: www.overkwartiervangelre.nl

(mme)