Hilfscontainer von Human Plus in Port Sudan festgesetzt

Lebensmittel für Flüchtlinge : Hilfscontainer aus Nettetal festgesetzt

Die Hilfsaktion von Human Plus geriet in die Unruhen im Sudan. Zwei Container blieben in Port Sudan monatelang unerreichbar.

Zwei Seecontainer von Hapag Lloyd gingen am 19. November 2018 auf die Reise in den Sudan. Mitte Januar kamen sie mit dem Schiff in Port Sudan am Roten Meer an. Für Hilfsgüter war dies ein denkbar schlechter Zeitpunkt. Denn damals begannen die Demonstrationen gegen den Diktator Omar al-Baschir, der das Land 30 Jahre lang im Griff hatte. Den Protestlern gelang es, die Regierung zu stürzen, das Militär übernahm die Macht und einigte sich auf eine Übergangsregierung. Lang war das Land unregierbar, in Port Sudan gab es keinen Ansprechpartner mehr. Wie kommt man an die Hilfslieferung mit 30 Tonnen Lebensmitteln aus Deutschland heran, gedacht für ein Flüchtlingslager in Tawilla.

Am 18. November, nach exakt einem Jahr, sind die Container angekommen. In Nettetal fiel Anestis Ioannidis ein Stein vom Herzen. Es war das erste Engagement von Human Plus im Sudan. Und zum Glück war die kleine Hilfsorganisation dabei nicht alleine. Das Projekt war eine Kooperation mit der Organisation „Lachen Helfen“ und „Ein Herz für Kinder“ von Bild. Gemeinsam wurden Lebensmittel, Schulmöbel und medizinische Geräte finanziert und auf den Weg nach Afrika gebracht.

Die Initiative zur Sudan-Hilfsaktion ging von Heiko Lammertz aus. Der Polizist lebt mit seiner Familie in Nettetal. Der Polizeihauptkommissar war auf UN-Friedensmission in Darfur im Sudan, um Polizisten auszubilden. Der Nettetaler ist im Vorstand des Vereins „Lachen Helfen“, der vor 22 Jahren von Bundeswehr-Soldaten gegründet wurde. Ihre Leitidee war, als Soldaten und Polizisten bei UN-Missionen in Krisengebieten zu helfen, wo die anderen Hilfsorganisationen nicht hinkommen.

Lammertz und sein Kölner Kollege Toni Kirchmaier haben Tawilla ins Spiel gebracht. Dort ist der Bürgerkrieg seit 15 Jahren präsent, die UN-Mission läuft seit 2007. Im Lager dort leben Flüchtlinge aus dem Süden, die im Sudan niemand will. Ein weiterer Partner war Global Unites FC, ein Verein, in dem sich Fußballer für Klima und Umwelt weltweit engagieren. Der Verein aus Süddeutschland hatte Fußbälle und Trikots zur Verfügung gestellt, auf die viele Jungen im Flüchtlingslager sehnsüchtig warteten.

In Tawilla haben die deutschen Hilfsvereine eine Schule gebaut, eine Krankenstation renoviert, einen Brunnen gebohrt und Solarstrom installiert. Noch nie war vorher eine Hilfe dort angekommen, erzählt Ioannidis.

Der Nettetaler Leiter von Human Plus lässt sich durch die Schwierigkeiten im Sudan nicht entmutigen. Schließlich bedeutet Anestis auferstanden. Human Plus beteiligt sich bereits an einem neuen Projekt. In Kabul, der Hauptstadt von Afghanistan, sollen sechs Klassenräume und ein Kindergarten gebaut werden. Bisher werden dort Kinder im Schichtbetrieb unterrichtet. Vergangene Woche ging eine Lieferung von Rollstühlen nach Kiew. Der Hersteller Ottobock und die Hilfsorganisation „Ein Herz für Kinder“ waren dort federführend tätig. Mitte November ging ein Container mit Babynahrung per Schiff nach Libyen. Gedacht ist sie für Binnenflüchtlinge. Neben Griechenland ist Human Plus auch in Tripolis, der lybischen Hauptstadt, mit einem Büro vertreten. Die Nettetaler sind dort seit 2011 engagiert.

Anestis Ioannidis ist Gründer und Leiter der Nettetaler Hilfsorganisation Humans Plus. In Lobberich hat er eine Halle für Hilfspakete angemietet. Foto: Heribert Brinkmann. Foto: Heribert Brinkmann

Anestis Ioannidis ist Rentner. Der Verein Human Plus, den er gründete und seitdem leitet, hat 16 Mitglieder, auch über Nettetal hinaus. Sein Schlüsselerlebnis für sein ehrenamtliches Engagement war ein eigenes Hilfspaket. In seiner Kindheit in den 1960er Jahren in einem griechischen Dorf an der Grenze zu Bulgarien erlebte er das Glück, von einem Care-Paket überrascht zu werden. Als er nach Deutschland kam, konnte er kein Wort Deutsch. Eine pensionierte Lehrerin half ihm. Heute möchte er Spenden sammeln, um Flüchtlingskindern zu helfen, besser und schneller die deutsche Sprache zu lernen.

(hb)