Nettetal: Hertie - was bleibt noch außer Abriss?

Nettetal: Hertie - was bleibt noch außer Abriss?

Dank der Bingener Initiative, der auch die Stadt angehört, wurden in einem Jahr zehn Häuser verkauft. In Nettetal sieht es nicht danach aus. Das Haus verrottet, aber das Grundstück ist Vermarktern Gold wert. Aber damit stehen sie alleine.

"Auf geht's Nettetal — jetzt gibt es die besten Preise!" Werbung ist manchmal unerschütterlich. Sie klebt als Spruchband im Fenster des ehemaligen Hertie-Kaufhauses. Ob die Immobilie überhaupt noch zu verwerten ist, wird immer zweifelhafter. Andererseits: Zehn von 32 leerstehenden Häusern sind bundesweit verkauft worden, seitdem sich auf Initiative des Bürgermeisters von Bingen/Rhein die Bürgermeister der Städte und Gemeinden zusammengeschlossen haben, in denen Hertie-Gebäude vergammeln.

Nach einem Bericht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) könnte Sebastian Mogos-Lindemann vom zentralen Vermarkter CR Investment Management bis zum Jahresende fünf weitere Häuser verkaufen. "Es ist nicht so, dass wir bislang nur die besten Häuser verkauft haben", zitiert dpa Mogos-Lindemann. Es seien auch für sehr schwierige Fälle Lösungen gefunden worden.

Karstadt Quelle hatte 74 kleinere Häuser im Jahr 2005 britischen Investoren verkauft. Der 1993 untergegangene Name Hertie (Karstadt hatte die Kaufhaus-Kette übernommen) wurde für diese Häuser reaktiviert. Knapp drei Jahre später kam es zur Insolvenz. die Mitarbeiter verloren ihre Jobs, die Kaufhäuser wurden alle geschlossen. Seitdem aus Karstadt Hertie geworden war, ist vermutlich kein Cent mehr in die Instandhaltung des Lobbericher Hauses gesteckt worden. Das Flachdach ist undicht — selbst jetzt stehen Pfützen im Inneren. Bürgermeister Christian Wagner schloss sich der Bingener Initiative an, die Landtags- und Bundestagsabgeordnete mobilisierte und Einfluss auf gesetzliche Regelungen des Städtebaus nahm. Aber Wagner glaubt wohl kaum ernsthaft daran, dass der Bau vermarktet werden könnte.

  • Nettetal : Keine Groß-Disco im Hertie-Komplex

Es hatte zwischenzeitlich Interesse regionaler Investoren gegeben. Aber die Komplexität verschlungener Vertragswerke um Haus und Grundstück schreckte sich wieder ab. Es gebe zurzeit keinen Interessenten, räumt Nettetals Wirtschaftsförderer Dietmar Sagel ein. Darum erteilte Wagner den Auftrag zu prüfen, welche Chancen ein Abriss des Gebäudes bieten könnte. Aber auch hier gibt es nachhaltige Hindernisse: Das Grundstück scheint sehr unterschiedlich bewertet zu werden. Vermarkter Sebastian Mogos-Lindemann bemerkte gegenüber dpa auf die Frage, was der Verkauf der zehn Häuser eingebracht habe: "Zu wenig."

Nun ja, wenn man sich die wie eine Ruine wirkende Immobilie in Lobberich anschaut, muss wohl viel Fantasie im Spiel sein, wenn jemand noch stattliche Summen herausholen will. Optimistisch erscheint da schon der Hinweis auf einem Plakat an der Tür: "zu vermieten — zu verkaufen Free Call DIAM Ltd. Grosvenor Gardens London" mit Telefonnummern deutscher Teilnehmer.

Die Stadt bleibt interessiert, eine Lösung zu finden, zumal das Baukastensystem zur Wiederbelebung von Lobberichs Innenstadt aufgeht: Die Fußgängerzone wird fertig, das Wohn- und Geschäftshaus der Baugesellschaft ebenfalls. Damit ist die östliche Verbindungsachse zur Ludbachpassage da. Mehr oder minder tot ist der westliche Teil mit dem früheren Kino, der Post (und der Telekom-Technik) sowie am Rand das Ex-Kaufhaus. Hier eine sinnvolle und für den Einzelhandel unschädliche Nutzung zu finden, wäre ein Kunststück.

(RP)