Heinz-Robert Reiners ist seit 2000 Ortsvorsteher in Nettetal-Leuth

Leuth : Der Mittelsmann vom kleinsten Stadtteil

Heinz-Robert Reiners aus Leuth drängt auf mehr Bauflächen und die weitere Gestaltung des Platzes Petershof.

Während Heinz-Robert Reiners auf die Kirche zugeht, winkt von der anderen Straßenseite ein Mann: „Hast du mal eine Minute für mich?“, ruft er, kommt auf Reiners zu und redet kurz mit ihm. „Das passiert mir immer wieder, dass ich angesprochen werde, wenn ich durchs Dorf gehe“, sagt Reiners und schmunzelt. Schließlich sei er Ortsvorsteher: „Die Leute wissen, ich bin ihr Interessenvertreter“, sagt er.

Reiners geht die Straße Hampoel entlang auf die Kirche zu. „Sankt Lambertus ist nicht nur eine schöne Kirche, sie ist sozusagen als Bauwerk das Herzstück von Leuth“, sagt er. Wenn der 79-Jährige auf den imposanten Sakralbau blickt, hat er das Neubaugebiet Hampoel-Süd im Rücken. „Hier kann unser Dorf wachsen, aber es ist wichtig, dass die nächste Bauphase beginnt, und natürlich, dass wir insgesamt mehr Bauflächen ausweisen können“, sagt er.

Die Entwicklung des Dorfes voranzutreiben, sei ihm ein besonderes Anliegen. „Als Ortsvorsteher habe ich nicht nur die Interessen einzelner Bürger im Blick, sondern auch den Ortsteil insgesamt“, sagt Reiners. Klingt beinahe staatsmännisch, hat für Reiners jedoch einen handfesten Bezug zum Alltag: „Leuth ist Nettetals kleinster Stadtteil, leider gibt es hier keinen Supermarkt, und das Projekt eines Dorfladens hatte keinen Erfolg.“ Doch Obst und Gemüse könne man bei den Bauern kaufen, ansonsten gehe es darum, das Dorf mit seinen knapp 2000 Einwohnern trotz mangelnder Einkaufsmöglichkeiten lebenswert zu gestalten.

„Dass Leuth so klein ist, hat auch große Vorteile, weil man sich hier kennt, eine Gemeinschaft bildet“, sagt Reiners. Was da störe, gerate schnell ins Blickfeld: „Die Leute ärgerten sich, wenn hier Straßen mit Splitt ausgebessert wurden, mit wochenlangen Beeinträchtigungen im Verkehr.“ Der Ortsvorsteher wurde bei Verwaltung und Bauhof vorstellig, Gespräche folgten. Das Ergebnis: „Seitdem wurde in Leuth kein Rollsplitt mehr aufgetragen.“ Aus Erfahrung wisse er, an wen er sich wenden müsse, würden einzelne Bürger selbst aktiv, müssten sie sich erst bei der Verwaltung durchfragen.

Reiners sieht sich also als Mittelsmann, dabei habe er sich gar nicht um dem Amt bemüht: „Als vor 19 Jahren der damalige Ortsvorsteher, der unvergessene Matthias Timmermanns, starb, wurde ich gewählt, ich war ja sein Stellvertreter“, sagt er. Mittlerweile ist Reiners 79 Jahre alt und noch immer im Amt – was gar nicht geplant war: „Ich bin in der CDU, weil man mit einer Mehrheitspartei am ehesten was bewegen kann, aber uns fehlt ja, wie den anderen Parteien auch, eine ganze Generation“, sagt er. Nachwuchsförderung ist ihm darum wichtig, und bei den Wahlen im nächsten Jahr werde es einen Nachfolger geben: „Bis dahin mache ich das natürlich gern weiter, sehr gern sogar“, sagt Reiners.

Dass die Leuther ihrem Ortsvorsteher ihre Anliegen anvertrauen, mag auch an seiner ruhigen Art liegen. Er spricht bedächtig, leise mitunter, hört aufmerksam zu, lächelt dabei, als brächte ihn nichts aus der Ruhe. Was nicht stimmt: „Ich kann mich ganz schön aufregen, wenn Leute ihren Müll auf der Straße entsorgen oder ihre Hunde überall hinmachen lassen“, sagt er. Das bringe ihn auf die Palme, erzählt er – und lächelt wieder. Dabei könne er auch ausgelassen sein, bei einer Karnevalssitzung etwa oder bei Sketchen des großen Humoristen Loriot.

Auf der Strecke von der Kirche über die Dorfstraße und die Straße May zeigt Reiners links auf den Petershof, der einmal ein richtiger Dorfplatz werden soll. „Da dränge ich weiter, dass endlich die Gestaltung zu Ende gebracht wird“, sagt Reiners. Auch beim Thema Ausbau des Radwegs Deller Weg lasse er nicht locker. Er habe, sagt Reiners lächelnd, Visionen vom Erholungsort Leuth: „Es ist mein Traum, dass das ganze Dorf sich selbst versorgt, also energetisch autark wird, jedes Haus, wie bei mir auch mittels Photovoltaik, für sich und noch mehr Strom erzeugt.“ An seinem Haus am Ortsrand angekommen, schaut Reiners über Wiesen und Felder in Richtung Wittsee: „Die Natur mit ihrer Artenvielfalt rund um Leuth zu schützen, ist mir auch wichtig.“

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