Heimatverein Kaldenkirchen schafft Erklärschilder für Straßennamen an

Kaldenkirchen : Straßennamen können viele Geschichten erzählen

Mit Landesmitteln des Heimatschecks konnte der Heimatverein Kaldenkirchen Erklärschilder für Straßennamen anschaffen. Seit Sonntag sind alle montiert.

Da steht der Bürger am südlichen Ende der Poensgenstraße und blickt in die Rathausgasse. Wo aber ist das Rathaus? Wenn er nicht allzu jung ist, erinnert er sich sicher daran, dass das Rathaus einst in der Kehrstraße dort zu finden war, wo heute die Sparkasse Krefeld ihre Filiale hat. Seit Sonntag muss er nicht mehr fragen. Ein kleines Schild unter dem Straßennamen klärt ihn auf, dass sich nebenan im „Haus Giskes“, welches gegenwärtig im Erdgeschoss in einen Laden für polnische Lebensmittel umgewandelt wird, von Mitte des 17. bis Ende des 19. Jahrhunderts das Rathaus befand – mit bescheidenen sechs Räumen.

„Wir haben jetzt insgesamt an 27 Straßennamensschildern zusätzliche Hinweise anbringen können“, freute sich Elvire Kückemanns, die Vorsitzende des Bürgervereins Kaldenkirchen, während Geschäftsführer Roland Van Zanten auf eine Leiter kletterte und das letzte Schild anbrachte. Dies geschah während eines kleinen Rundgangs mit dem Stadthistoriker Leo Peters, der trotz des regnerischen Wetters erstaunlich viele Zuhörer hatte. Er erläuterte, so weit das möglich war, die Herkunft von vielen Namen und wies auch auf zahlreiche Umbenennungen hin, die aus politischen Gründen (Nationalsozialismus) oder nach der kommunalen Neuordnung vor 50 Jahren vorgenommen wurden.

„Straße der SA“ hieß vor 85 Jahren die Kehrstraße (1688 Karre Straet), die nach dem Zweiten Weltkrieg wieder ihren ursprünglichen Namen erhielt und dann 1971 um die Hochstraße bis zum Bürgerhaus verlängert wurde, weil es auch in Lobberich eine Hochstraße gab. In diesem Zusammenhang: Der Jahrtausendplatz an der Grenzwaldstraße ist kein Überbleibsel des „Tausendjährigen Reichs“, sondern wurde 1925 anlässlich der „Tausendjahrfeier der Rheinlande“ so benannt.

Viele Straßennamen erinnern, sagte Peters, an bedeutende Kaldenkirchener Persönlichkeiten, etwa an die Fabrikanten Poensgen (Erbauer des Rokokopavillons), Montel und Zillessen (im Industriegebiet Nettetal-West zu finden) oder die Pastöre van Alpen, Melchior, van Nooy und Hinnenthal. Manche Namen sind sehr alt. Die Klostergasse, die an das Birgittenkloster erinnert (heute Kindergarten), wurde 1802 schon „Sträßgen neben der Kloster-Mauer“ genannt. Der Königspfad taucht 1720 als „via regia vulgo ockspoel“ auf: Königsweg, gemeinhin Ochspoel.

Der Bürgerverein Kaldenkirchen hat ein Faltblatt mit der „Stadtgeschichte im Spiegel der Straßennamen“ herausgegeben, das im Bürgerservice im Bürgerhaus erhältlich ist. Es führt mit vielen Erläuterungen durch die Innenstadt – auf eigene Faust.

(mm)