Nettetal: Heimatverein Breyell feiert 80-Jähriges

Nettetal: Heimatverein Breyell feiert 80-Jähriges

Am 30. Januar 1938 gründete sich "Henese Fleck". Die Mitglieder bewahren das alte Krämerlatein

Nur noch wenige Menschen sprechen "Krämerlatein". Dabei war die Geheimsprache bis ins 19. Jahrhundert hinein nahezu unerlässlich für die Kiependraeger auf ihren langen Wegen durch Europa. "Die Eisenbahnanbindung 1866 bedeutete für die ziehenden Händler den Todesstoß", sagt Angela Wegers. Damit verfiel auch ihre Sprache. Der Breyeller Heimatverein "Henese Fleck" hat sich der Bewahrung verschrieben. In diesem Jahr ist er 80 Jahre alt geworden.

"Henese Fleck" bedeutet "schöne Sprache". Diese pflegen die Mitglieder des Vereins an jedem zweiten Dienstag im Monat. Dann treffen sie sich und erinnern an vergangene Zeiten. "Bis in die 1950er-Jahre hinein war das Krämerlatein die ausschließliche Sprache der Heimatfreunde", sagt Wegers, die den Verein kommissarisch leitet. "Heute wird aus Tradition unser Protokoll in beiden Sprachen vorgelesen." Die 70-Jährige selbst kann Krämerlatein zwar verstehen, aber "ich würde mich mit dem Sprechen schwertun", sagt sie. "Es gibt nur wenige, die es perfekt beherrschen." Die Mitglieder orientieren sich an Heinrich Houbens Leitfaden aus dem Jahr 1888. Einflüsse aus der alten Geheimsprache finden sich heute vor allem in Namen, beispielsweise einiger Karnevalsgesellschaften: "De Wölese" etwa, die Jungen, oder "De molveren Dei" (die geschorenen Köpfe), berichtet Wegers. Den 80. Geburtstag feierten die Mitglieder jüngst im Haus Bey in Hinsbeck.

Werner Korzikowski kam als Siebenjähriger aus Ostpreußen an den Niederrhein. "Damals wurde nur Breyeller Platt gesprochen", erinnert er sich. Er lernte schnell, ihm gefiel die Sprache. Das brachte ihn später zum Heimatverein und zur Erforschung der Heimatgeschichte. Bis 2015 war er Vorsitzender. Anfang des Jahres übernahm er den Posten des Archivars.

Seit einiger Zeit suchen die Heimatfreunde neue Räumlichkeiten, berichtet Korzikowski. Ihr Raum in der Stadtbücherei sei zu klein. "Wir haben viel in Kartons", sagt der Vereinsarchivar. Ein weiteres Problem sei der fehlende Nachwuchs, der Altersdurchschnitt liege bei über 70. Kooperationen beispielsweise mit Schulen seien aber bislang nicht auf Interesse gestoßen.

(sa)