Nettetal: Heimatpflege auf Schaager Art

Nettetal: Heimatpflege auf Schaager Art

"Eäte, drenke, senge on vertälle öm deä ronge Döösch", heißt es im "Alten Braukeller" Kindt. Zum 14. Mal kommt hier Jung und Alt zusammen, um bei traditionellem Essen und jeder Menge Platt "mal einen bunten Abend zu erleben".

"Mit Andacht" wird beim Schaager Kreis die "Pruumetaat" besungen und das ein oder andere "Jedischt" vorgetragen. Das Schicksal der Amsel gibt es nicht nur auf Platt, Hochdeutsch und Italienisch, sondern auch auf Japanisch und Russisch zu bestaunen. 48 Teilnehmer waren angemeldet, einige mehr sind es geworden. "Schieben wir halt noch ein paar Tische dran", freut sich Heinz Huber, Vorsitzender der Interessengemeinschaft "Schaager Kreis".

Und während die Vorträge und Lieder auf Platt vor allem den älteren Semestern ein entrücktes Lächeln auf die Lippen zaubern, ist die Jugend das eine oder andere Mal ein wenig ratlos. Da muss die Oma schon mal als Dolmetscherin einspringen. "Früher haben wir ja alle nur Platt gesprochen", erinnert sich eine Damenriege. "Da war Hochdeutsch die erste Fremdsprache". Aber auch heute wird die Mundart noch gepflegt. Schirin Toerschen (9), Mandy Klingenberg (10) und Hannah Meertz (10) sind drei echte Schaager Mädels und haben sich gewissenhaft auf den anstehenden Plattdeutschwettbewerb in Viersen vorbereitet. Heute präsentieren sie als Generalprobe dem "Schaager Kreis" ihren Text "Pauline on der Schniemoon", und sind alle mächtig aufgeregt. Mandy ist sogar so nervös, dass sie gar nicht dazu kommt, ihre "Prenk möt Pruume drenn" zu genießen.

Rätselhafter "Scheiterhoop"

"Es gibt immer alte Speisen", erklärt Vorstandsmitglied Egidius Tillmanns, der alle Speisekarten der letzten 14 Jahre aufbewahrt hat. "Die Ideen stammen aus alten Kochbüchern und aus dem Internet". Als Hauptgang kommt heute "Stielmoos möt Broaneärpel, Brottwuersch on Buukspäck" auf den Tisch. Zum Nachtisch wird dann ein rätselhafter "Scheiterhoop" serviert, der den ein oder anderen "an Kuchen, der nit janz gar ist", erinnert.

Neben dem Programm und gutem Essen bleibt noch jede Menge Zeit, sich auszutauschen oder einfach in Erinnerungen zu schwelgen. Ob "Panas"-Essen mit den Nachbarskindern oder die Schläge des gestrengen Oberlehrers – heute wird alles noch einmal lebendig. Aber natürlich vergisst der "Schaager Kreis" auch an diesem Abend seine Bestimmung nicht: die Heimatpflege. "Hier wird gesammelt, wofür die Stadt kein Geld mehr hat", scherzt Egidius Tillmanns. So kommen über 100 Euro für "einige Stücke Kuchen" für die Seniorennachmittage zusammen – und auch die nächsten Projekte sind schon in Planung. Als nächstes stehen die Putzaktion "Wirbelwind" sowie der herbstliche Hubertusmarkt auf dem Programm.

(RP)